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EU sucht Strategie für die Machtprobe mit Moskau

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Die viel gescholtenen Europäer haben in der Kaukasus-Krise zunächst das völlig Richtige getan: EU-Ratsvorsitzender Nicolas Sarkozy startete zu einer Vermittlungstour nach Moskau und Tiflis, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Durch Einsprüche beider Seiten ist der vereinbarte Friedensplan derart verwässert worden, dass jetzt in Russland und in Georgien zwei völlig verschiedene Fassungen des Papiers kursieren. Die Regierung in Tiflis wollte keine Verhandlungen über den Status von Südossetien und Abchasien. Moskau strich den Verweis auf die territoriale Integrität Georgiens.

Ernüchtert müssen die EU-Staaten feststellen, dass Russland diese konstruktiven Bemühungen nicht honoriert hat. Mit der einseitigen Anerkennung von Georgiens abtrünnigen Provinzen hat Moskau eine diplomatische Lösung des Konflikts vorerst verbaut. Europa muss sich fragen, wie es auf die russische Politik der vollendeten Tatsachen reagieren soll. Als Konzept könnte sich eine Doppelstrategie empfehlen, die sich selbst in den eisigsten Zeiten des Kalten Krieges bewährt hat: Verteidigung plus Verhandlungen. Zum einen muss es die klare Botschaft an die Adresse Moskaus geben, dass man sich weder einschüchtern noch erpressen lässt. Gewaltsame Grenzverschiebungen ohne internationalen Rahmen können nur scharfe Kritik hervorrufen. Die Russen zu isolieren, alle Gesprächskanäle zu ihnen zu verstopfen, wäre andererseits kontraproduktiv. Ohne Mitwirkung Moskaus lässt sich der Kaukasus nicht befrieden - etwa durch international überwachten Minderheitenschutz statt durch die Bildung separater Ministaaten. Sollte der Kreml weiterhin einen Kurs der Konfrontation steuern, muss ihm der politische Preis dafür ebenso drastisch vor Augen geführt werden: Der Ausschluss aus der Gruppe der großen Industriestaaten (G8) oder das Platzen eines neuen Partnerschaftsabkommens mit der EU. Dieses Konzept kann in der Machtprobe mit Moskau aber nur funktionieren, wenn Europa Einigkeit zeigt. Die EU muss deshalb auf ihrem Sondergipfel Geschlossenheit demonstrieren und dabei ganz divergierende Standpunkte unter einen Hut bringen. Die neuen Mitglieder, die wieder Angst vor Russland haben, stehen den alten Mitgliedern gegenüber, die in Russland einen wichtigen Energielieferanten sehen. Stärke durch Solidarisierung ist dennoch möglich. Dass Deutschland noch vor wenigen Jahren mit Russland eine Ostseepipeline ohne Absprache mit Polen und Balten vereinbart hat, ist psychologisch ein großer Fehler gewesen. Heute hingegen warnt Frankreichs Außenminister vor Moskaus Griff nach der Ukraine. Die geschockten Westeuropäer verstehen jetzt besser, dass ohne Beitritt zu EU und NATO Osteuropas Demokratien wohl in einer ähnlich prekären Lage wären wie Georgier oder Ukrainer.

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