Das Schicksal von Österreichs Skiherren lässt Erinnerungen wach werden - an Rudi Nierlich und Fred Sinowatz. Ganz am Ende dieser Spiele gilt es, auch noch einmal einem großen heimischen Skifahrer zu huldigen. Rudi Nierlich, Doppelweltmeister von Saalbach 1991 und leider auf tragische Weise viel zu früh verstorben, hatte die Skiwelt um den Satz bereichert: „Wann's laft, dann laft's." Was umgangssprachlich die Eigendynamik des Erfolgs umreißt.
Russlands Darbietung vier Jahre vor den Heimspielen ist äußerst dürftig.Das Debakel der Russen beim ewigen Eishockeyrivalen und einstigen Klassenfeind war emotional eine besonders bittere Niederlage, letztlich passt sie aber in das Bild, welches die Russen vier Jahre vor den Heimspielen in Sotschi 2014 abgeben. In der Medaillenbilanz lag man nach 13 Tagen sogar hinter den auch nicht gerade brillanten Österreichern - und was noch mehr überrascht: Von der einstigen Dominanz in vielen Sportarten ist nichts mehr geblieben.
Warum ein Trainerwechsel im alpinen Skirennsport maßlos überschätzt wird.Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben und die Bilanz nicht vor dem Ende kritisieren: Das Ende, das ist der Herren-Slalom in Whistler Mountain am kommenden Samstag, und die Platzierungen von Reinfried Herbst, Marcel Hirscher, Benjamin Raich und Manfred Pranger haben fast schon eine sporthistorische Dimension. Schafft keiner der vier genannten Herren im besagten Bewerb eine Top-drei-Platzierung, dann bleibt das österreichische Aufgebot erstmals überhaupt bei Olympischen Spielen ohne skialpine Herren-Medaille.
Österreichs Olympiateam führt wieder einmal in der etwas anderen Bilanz.Natürlich ist es die schlimmste Medaille, die man bei Großveranstaltungen holen kann: Die „blecherne Medaille", wie man Rang vier bei uns gern nennt. Trotz gestiegener Rohstoffpreise eine Medaille, auf die keiner Wert legt und die wir Österreicher besonders oft gewinnen.
Der Auftritt der Skigroßmacht Österreich bei Olympia war seltsam - bis Samstagnacht. Die Skispringer brechen eine Materialdiskussion vom Zaun, die am Ende nur auf das eigene Team zurückfällt. Österreichs alpine Herren bringen in der Superkombi gar nicht mehr das ohnedies nur vierköpfige Aufgebot zusammen. Und die nordischen Kombinierer lassen ihren Energetiker einfliegen, um wieder etwas mehr positive Energie fließen zu lassen.
Eine erste Bilanz der Spiele in Vancouver - Olympia kann bald nur mehr in Großstädten stattfinden.Halbzeit bei den Olympischen Winterspielen - das ist in der Regel der Moment, um die ersten Bilanzen zu ziehen. Statt einer Bilanz stellen wir eine Frage: Wie hätten diese an der kanadischen Westküste durchgeführten Spiele in Salzburg ausgesehen? Denn bekanntlich war ja Salzburg Gegenkandidat zu Vancouver, das den Zuschlag im Juli 2003 in Prag erhalten hat.
War die Damenabfahrt eine unverantwortliche Gratwanderung oder die beste Olympiaabfahrt alle Zeiten? Die ganze Diskussion um Sicherheit, Vermarktung und Attraktivität des Skisports wurde selten so prägnant auf einen Nenner gebracht wie bei dieser Olympiaabfahrt der Damen. Wie selektiv kann, muss oder darf ein Rennen sein? Oder anders gefragt: Was steht in der Abwägung ganz oben, die Sicherheit der Läufer und Läuferinnen oder der Anspruch, ein Rennen auszutragen, welches nur die Besten im Feld gewinnen können?
Warum der Koreaner Ahn Hyun-soo trotz drei Goldmedaillen ein Unbekannter ist. Olympia hat viele große Namen hervorgebracht. Toni Sailer, den achtfachen Olympiasieger Björn Dählie etwa, Eric Heiden, Alberto Tomba, Matti Nykänen oder Ahn Hyun-soo. Wie, Sie kennen Ahn Hyun-soo nicht? Der Südkoreaner war 2006 in Turin der erfolgreichste Sportler, auch wenn die meisten Österreicher glauben, dass dies Benjamin Raich oder Michaela Dorfmeister gewesen sind. Doch trotz drei Goldmedaillen und einer Bronzemedaille ist Hyun-soo einer größeren Öffentlichkeit nie bekannt geworden.
Das olympische Eishockeyturnier versetzt die Gastgeber in einen emotionalen Ausnahmezustand.Endlich ist es soweit - die Olympischen Spiele gehen los. Heute, Dienstag, treten in Vancouver 22 Männer auf das Eis, die Kanada in den nächsten zwölf Tagen in einem emotionalen Ausnahmezustand halten werden. Richtig, es geht um Eishockey und selbst für einen europäischen Eishockeyfan ist es oft schwer nachzuvollziehen, mit welch kultischer Verehrung Eishockey in dem Land gelebt wird, wo die Besten ein Ahornblatt auf dem Trikot tragen.
Österreich hat sich viel zu lang auf Skifahrer und Skispringer konzentriert.Die Goldmedaille im ersten Springen verpasst? Egal. Der Biathlonauftakt im Regen untergegangen? Auch unwichtig. Die Abfahrt gegen den Erzrivalen verloren? Sollen die Schweizer doch auch einmal gewinnen. Zur Erinnerung: Als die ihre letzte Olympiaabfahrt gewonnen haben, da war unser Jungstar Marcel Hirscher noch nicht einmal auf der Welt. Was belegt, dass derartige Siege ohnedies als Elementarereignisse gehandelt werden müssen.


