Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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Die Entfernung eines Journalisten

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Nachdem  Barack Obama den Friedensnobelpreis erhält, kann es nur noch eine Frage von Stunden sein, bis auch unsere Regierungsspitze mit Ehrenpreisen überhäuft wird. Werner Faymann  gebührt die  Goldene Büroklammer für die weltgrößte Verwaltungsreform, Josef Pröll das  Diamantene Sparschwein am Bande für die gelungenste Budgetsanierung aller Zeiten.

Denn  wie die Nobelpreis-Väter mit ihrem unerforschlichen Ratschluss gezeigt haben: Der bekundete Wille steht fürs preiswürdige Werk.
Wobei unsere Regierung nicht immer bei der Bekundung des Willens stehen bleibt. Manchmal schreitet sie auch energisch zur Tat. Zum Beispiel bei der Entfernung des Chefredakteurs der  „Wiener Zeitung", Andreas Unterberger. Obwohl sein Vertrag noch fünf Jahre gelaufen wäre, wurde Unterberger unter Ausnützung einer Ausstiegsklausel am Donnerstag mitgeteilt, dass Freitag sein letzter Arbeitstag ist. So schnell geht das. Und wieder ein kritischer Journalist weniger.
Dass der konservative und wirtschaftsliberale Unterberger vom roten Bundeskanzleramt (dem Eigentümervertreter der republikeigenen „Wiener Zeitung") so rasch gefeuert wurde, rief kaum Reaktionen hervor. Lediglich FPÖ und BZÖ protestierten in Aussendungen. Wir haben aber noch einige andere Reaktionen gefunden:
SPÖ-Klubobmann Josef Cap: „Kaum ist die Regierung im Amt, wird auch schon der erste kritische Journalist aus seinem Amt entfernt."
Heide Schmidt (LIF): „Gerade jetzt einen Akt gegen den kritischen Journalismus zu setzen, ist ein verheerendes Signal für Presse- und Meinungsfreiheit. Dies muss alle rechtsstaatlich denkenden Menschen elektrisieren."
Madeleine Petrovic (Grüne): „Sanktionen gegen eine Journalisten zu setzen, der seiner Aufgabe einer kritischen Berichterstattung nachkommen will, ist beschämend für eine angeblich unabhängige Zeitung."
Journalistengewerkschaft: „Wir sind in Sorge, dass sich der Druck auf unabhängige und kritische Kollegen erhöht und der Versuch, diese mundtot zu machen, kein Einzelfall bleibt."
Man ahnt: Hier ist nicht die Entfernung Unterbergers gemeint. Die Zitate stammen aus dem Jahr 2000, als die „Oberösterreichischen Nachrichten" am Tag der „Wende" den politischen Redakteur Gerhard Marschall hinaus warfen, nur weil er kritisch über die schwarz-blaue Regierung schrieb.
Zum Fall Unterberger äußerten sich die genannten Personen und Einrichtungen nicht. Dabei müsste da wie dort der Satz Voltaires gelten: „Ich  verachte Ihre Meinung, aber ich  gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen."

 


 

5 Kommentare | Kommentieren

  • Andreas Unterberger ein "kritischer Journalist"? Da fragt sich halt schon, wem oder was gegenüber er kritisch eingestellt war, denn für den Chefredakteur des Amtsblattes der Republik Österreich, die zumindest ihrer Verfassung nach antifaschistisch ist, macht es sich halt nicht so gut, wenn er etwa mit dem Advokaten Herbert Schaller ausgerechnet einen prominenten Rechtsextremisten und Teilnehmer der Teheraner Holocaustkonferenz die vorzeitige Enthaftung David Irvings kommentieren ließ und dieser dann auch die Gelegenheit weidlich nützte, um gegen das Verbotsgesetz zu polemisieren (so geschehen im Jahr 2007, worauf von verschiedenen Seiten die Abberufung Unterbergers gefordert wurde). Sollte es noch mehr Vorkommnisse dieser Art gegeben haben (ich bin kein regelmäßiger Leser der "Wiener Zeitung" und kann das daher nicht beurteilen), dann war die Abberufung ganz sicher gerechtfertigt, und auch so ist sie vielleicht nur als Spätfolge von damals zu bewerten.

  • M. E. dürfte kritischer Journalismus nicht auf einem Auge blind sein. So einer zeichnet die SN aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Unterberger in ihr Team passen könnte. Hier wird er als konservativ und wirtschaftsliberal bezeichnet, und so kenne ich ihn auch. Ich erinnere mich nicht, dass er die schwarz-blaue Koalition jemals negativ kritisiert hätte. Und war es nicht so, dass er in der "Presse" mit seiner extremen Einstellung nicht mehr erwünscht war und dann von Schüssel in seiner jetzige Position eingesetzt wurde? Inwiefern war das legitimer als es jetzt Faymanns Vorgehen ist? Mir gefällt beides nicht.
    Im Übrigen ist "Kritik" ein neutraler Begriff . Er bedeutet einfach "Beurteilung", "kritisieren" somit "beurteilen" und nicht a priori "verurteilen". Kunstkritik z. B. kann positiv oder negativ ausfallen oder auch differenziert.

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    Sehr geehrter Herr Dr. Purger,
    mit Genugtuung habe ich Ihren Artikel über die handstreichartige Entfernung von Herrn Dr. Unterberger aus der Chefredaktion der "Wiener Zeitung" gelesen; es ist beschämend, wie wenig öffentliche Reaktionen darauf zu vernehmen waren. Die Republik und die Politik sollte eigentlich "vorbildhaft" wirken, nichts davon ist zu sehen.
    MfG,
    Thomas Gasser

  • Nachdem der Kommentar, den ich bereits gestern vormittag(!!) geschickt habe, immer noch nicht da ist, mache ich noch einen Versuch:
    Sie bezeichnen Andreas Unterberger als "kritischen Journalisten" - und es scheint mir, daß das nicht satirisch, sondern ganz ernst gemeint ist. Allerdings ist doch zu fragen, wem oder was gegenüber er kritisch eingestellt war. Ich erinnere daran, daß es genau dieser Unterberger war, der dem rechtsextremen Anwalt Schaller, unter anderem hervorgetreten durch seine kurz zuvor erfolgte Teilnahme an der Teheraner Holocaust-Konferenz, in der "Wiener Zeitung", also im offiziellen Organ der ihrer Verfassung nach antifaschistischen Republik Österreich, Platz für einen ausführlichen Kommentar zur vorzeitigen Haftentlassung des Holocaust-Leugners David Irving einräumte - ein Platz, den dieser u.a. "nutzte", um weidlich gegen das Verbotsgesetz zu polemisieren. Von sehr unterschiedlichen Seiten (und nicht nur deshalb, sondern auch aus anderen Gründen, aber sicher nicht wegen seines kritischen Journalismus') war deshalb schon 2007 die Abberufung Unterbergers gefordert worden. Politisch-staatliche Mühlen mahlen zwar oft langsam und vor allem versuchen sie den Eindruck zu vermeiden, sie würden auf Zurufe von außen reagieren - trotzdem handelt es sich hier wohl auch um eine Spätfolge dieser Ereignisse.
    Und schließlich ist es symptomatisch, daß nur BZÖ und FPÖ - also jene Parteien, die bekanntlich ganz besonders einem kritischen Journalismus das Wort reden - gegen die Abberufung Unterbergers protestiert haben.

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    Auch dieser Akt ist nur ein Beweis dafür, wie schlecht der Staat als Eigentümer agiert, wie sehr die Politik von der Parteinomenklatura beherrscht wird. Wer sollte auch laut aufschreien, wenn es in diesem Land nur mehr staatlich subventionierte Medien und eine staatlich subventionierte Zivilgesellschaft gibt.

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