Wenn dann der völlig indiskutable Mitdiskutant einwirft, dass sich die Erde um die Sonne drehe, muss der andere die Hände ringen, sich kurz an der Schulter von Ingrid Thurnher ausweinen und dann schluchzen, dass sich die Erde doch um die Menschen drehen müsse!
Und so weiter. Kurz: Form schlägt Inhalt. Es geht um die äußeren, nicht um die inneren Werte der Kandidaten. Deswegen haben wir mit Interesse gelesen, dass sich SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann vor seinen ORF-Auftritten vom berühmten Pantomimen Samy Molcho trainieren lässt. Das ist klug, denn Pantomime ist griechisch und heißt übersetzt „alles nachahmend".
Auf den Plakaten ahmt Faymann mit seiner schwarzen Strickkrawatte ja auch jemand nach, nämlich Fiat-Chef Giovanni Agnelli. Sagt zumindest der neue SPÖ-Werbeguru, also wird es schon stimmen: Milliardär, Playboy, schnelle Autos, das hat schon was.
Der größte Coup der bisherigen SPÖ-Wahlwerbung war es aber, dass sie es - weiß der Himmel, wie! - geschafft hat, dass der aktuelle Tropensturm in den USA auf den Namen „Fay" getauft wurde. Wenn das nicht genial ist: Ein Mann wie ein Wirbelwind! (Katastrophenwarnung inklusive.)
Dem Vernehmen nach hat die dynamische ÖVP-Wahlleitung damals gleich nach ihrem Mittagsschlaf bei den US-Behörden angefragt, ob man den nächsten Wirbelsturm nicht vielleicht „Molt" nennen könnte. Das wurde leider abgelehnt. Nach Intervention von Gouverneur Arnold Schwarzenegger wird aber immerhin die nächste Flaute „Willi" heißen.
Was das Äußere betrifft, holt der ÖVP-Spitzenkandidat ebenfalls stark auf. Zwar sieht er noch nicht aus wie ein italienischer Playboy, nähert sich aber bereits deutlich dem Papst in Zivil an. Auch vermuten wir, dass Benedikt XVI. längst den Pantomime-Unterricht des ÖVP-Chefs übernommen hat. Nur Molterers Adjutant Hannes Missethon ist noch schönheitsoperationenweit von Papst-Sekretär Georg Gänswein entfernt. Wenn das nur nicht wahlentscheidend ist!


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