Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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August 2008 Archive

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Da muss sich der Bono von U2 jetzt was einfallen lassen. Sonst wird's erstens nix mit dem Friedensnobelpreis und zweitens verliert er  seine Position als  unerreichter Held aller Stadien, als Massen-Messias, der rockig und rotzig (also mit Sonnenbrille und Lederjacke) aufmischt, was die Welt quält. Aber es reicht nicht mehr, dass er immer wieder mal ausführlich diniert mit hohen Herren und Damen aus so grauslichen, korrupten Welten wie der Politik oder der Wirtschaft. Bono wird kämpfen müssen, um seinen Ruf als Retter nicht an Barack Obama zu verlieren.

 
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Der Faymann'sche Fünf-Punkte-Geschenkkorb ist schwer zu toppen. Aber Faymann hat noch Potenzial. Wir bringen exklusiv die nächsten fünf Punkte  und den Zeitplan. 1. September:   Faymanns   Pensionistenbrief schlägt voll ein. Er verspricht darin jedem Pensionisten einen Gratis-Dienstwagen mit Chauffeur. Über die Kosten will er noch nichts sagen: „Erst kommen unsere Pensionisten,  dann kleinkarierte Berechnungen."
 
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Sie sind wieder da, unsere Olympia-Helden. Die Ausbeute ist nicht besonders groß, weil die Entscheidungen knapp waren. Vierte Plätze im Schwimmen füllen halt die wohl vorbereiteten Truhen für die Aufbewahrung der Gold-, Silber- und Bronzemedaillen nicht an. Die Segler blieben diesmal weit von den Medaillenplätzen weg und im Tischtennis haben weder die ursprünglichen noch die chinesischen Österreicher was G'scheites zu Stande gebracht.

Legionen von Funktionären, Experten, Journalisten und Adabeis stellen die bange Frage, ob denn die österreichische Nation - samt eingebürgerter Hilfstruppen aus fernen Ländern - vielleicht ungeeignet sei für den Sport. Die Redaktion des Zwischenrufs weiß es freilich besser: Es liegt an den Sportarten.

 
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Jetzt ist sie wieder angebrochen, die Zeit des Preisredens im ORF. Spitzenkandidat gegen Spitzenkandidat, das ist Brutalität. Wenn zum Beispiel der eine sagt, die Erde sei eine Kugel, muss der andere überlegen lächeln, die Augen verdrehen über so viel  Blödsinn und in  wohl gesetzten Worten entgegnen, dass die Erde natürlich eine Scheibe sei, und zwar eine sozial gerechte, aber nur, wenn man die Partei XY wählt.
 
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Das Duell Turnvater Haider gegen  H(aider)-C(lone) Strache,  hätte  schlimmer verlaufen können -  und blutiger.

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Eigentlich wird in   verschmisst lächelnden Kreisen ein Duell   anders ausgetragen. Das  ging aber  nicht, weil Strache  nur  Mitglied einer topfschlagenden Kinderburschenschaft war und Haider  Angst hat,    sich das  Gesicht zu zerkratzen  und  auf 99-Cent-Sauf-Partys von  15-Jährigen  gehänselt  zu werden.

 

 
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Sollten sie dieser Tage dicke, klobige Holzringe auf der Straße liegen sehen: Das sind die Balken, die sich angesichts der Politiker-Aussagen im laufenden Wahlkampf biegen.
Die Lüge ist ja mindestens so alt wie die Politik selbst. Und seit geraumer Zeit gibt es dafür auch eine  prächtige Ausrede:  „Es kann mich niemand daran hindern, über Nacht klüger zu werden." Dieser Satz Konrad Adenauers kommt selbst Jungpolitikern flüssig über die Lippen, die keine Ahnung haben, wer Adenauer war. Denn der  Satz adelt   den Lügner von gestern zur  immer klüger werdenden Geistesrakete von heute.

 
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John Moloney, Bürgermeister von Mount Isa im australi- schen Outback, ist selbst nicht gerade eine Schönheit. Durchschnitt halt, so wie die meisten unter uns Männern.
Seine Gemeinde  hat ein schwerwiegendes Problem:   Binnen zehn Jahren ist die Zahl der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren um 175 gesunken, das sind immerhin 17 Prozent. Und das in einer Stadt, in der ohnehin schon fünf Mal mehr Männer leben als Frauen. Heiratswillige Männer finden es also immer schwerer, eine Partnerin zu finden.
Was tut ein guter Bürgermeister in solch einer Situation? Er veröffentlicht einen Appell, um heiratswillige Frauen nach Mount Isa zu holen.

 
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O Werner Faymann, o Krone der Menschheit!  Mit Deiner unerforschlichen Weisheit führst Du uns  auf den leuchtenden Pfad der Zukunft.
 Andere mögen weinen und poltern: Du hast den staatsmännischen  Blick fest auf den sozialen Silberstreif am rot-weiß-roten Horizont  gerichtet. Du geleitest uns unmündige Kinderschar mit sicherem Tritt durch die Fährnisse der Jetztzeit. Du hast  schon als Wiener Wohnbaustadtrat  gezeigt, wie man Lebensraum im Osten schafft!
(Nein, liebe Leser,  wir sind nicht völlig  übergeschnappt. Es ist nur wegen der Inserate. Wir vom  Fegefeuer wollen   auch so ein 32-seitiges „Faymann-Extra" der ÖBB einheimsen, und da muss man so schreiben.)

O Werner Faymann, o Krone der Staatskunst! Du Titan aus Wien-Liesing. Du Übervater und Unteronkel. Du weiser Buchstabierer unserer Seligkeit und unseres Glücks:
G wie „Gesegnet das Land, das solche U-Boot-gestählten Fähr- und Faymänner hat".
L wie „Lob den Lenden, denen dieser wackere Kämpfer gegen die barbarischen Brüsseler Mordbrenner entsprang".
Ü wie „Über allen sozialen Problemen ist Ruh, in allen  Teuerungsstatistiken spürest du kaum einen Hauch".
C wie „Ceterum censeo Faymanninem esse wählendam".
K wie „Kanzler Faymann, Vizekanzler Strache - Dann wird an unserem Wesen die eurokratische Zwingburg genesen".

O Werner Faymann, o Krone der Weisheit! Im Staube liegen Deine Gegner vor Dir: Preisminister Bartenstein, die Grippe- und Kreuzwehministerin Kdolsky, der Steuer- und Zollminister Molterer, die Strafzettel- und Organmandatministerin Fekter, die Eurogaunerministerin Plassnik. - Was sind sie gegen Dich und Deine gottgleiche Verkehrspolitik?
 Sie mögen Dich jetzt Stauminister schimpfen. Aber das zeigt nur, dass die Missethon-Lopatka-Bande  jetzt schon in die unterste Schublade des Schmutzkübels greift. Pfui EU!

O Werner Faymann (Gleich sind wir fertig, liebe Leser, aber so eine Inseratenserie will hart verdient sein), o Krone aller Kronen! Du schreibst Leserbriefe wie kein Zweiter. Wir sind nicht wert, dass Du Dein mildes Auge auf uns ruhen lässt. Aber sprich nur ein Wort und so wird unser krankes Staatsgebilde gesund.
 Genug gestritten. - Fürwahr ein würdiges Wort aus Deinem wonniglichen Munde. Wir wimmern Dich an, o Du Liesinger Feschak, Du: Regiere uns, wie uns noch keiner regiert hat. (Und inseriere gefälligst, wie noch keiner inseriert hat).
 
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Die Welt wird schöner. Zugegeben: Das betrifft jetzt nicht Hungersnöte, Krieg, Dummheit, Olympische Spiele und andere hoch entwickelte Tugenden der Menschheit. Nein! Dieses Mal ist alles ganz wörtlich zu nehmen. Die Welt wird schöner!

 
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Lin Miaoke ist ein entzückendes Mädchen, das es dank der Eröffnungsshow der Olympischen Spiele in Peking zum Star gebracht hat - und das keinen Ton singen kann.
Das Publikum bei den einzelnen Bewerben in China setzt sich aus echten Fans und staatlich bestellten Claqueuren zusammen.
Und das Feuerwerk, das die Welt beeindruckte, war zum Teil nichts als schnöde Computeranimation.
 
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Zum wiederholten Male ist uns jetzt schon aufgefallen, dass wir von Montag bis Freitag im Büro schwitzen und am Samstag regnet's. Wir haben die  Spitzenkandidaten daher  gefragt, was sie gegen dieses empörende Unrecht zu unternehmen gedenken.
Werner Faymann: „Genug geregnet! Ich verspreche eine deutliche  Wetterbesserung schon 2009, vor allem für die Kleinverdiener, die Alleinerzieherinnen und die Pensionisten.  Mir schwebt da eine Temperaturerhöhung um fünf bis sieben Grad vor. Ja, auch um zehn, wenn Sie wollen. Da gibt es SPÖ-intern nicht den geringsten Streit darüber. Weil die SPÖ  ist eine geschlossene Partei, und ich denke nicht daran, sie wieder aufzusperren."

 
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It's the end of the world as we know it", singen R.E.M. Stimmt. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der R.E.M. auf dem Album „Document" im Jahr 1987 den Untergang feststellen, macht stutzig.  Keine Reue, keine Hoffnung und auch keine Angst finden sich  in diesem Lied. Es ist, wie es ist. Aber geht das so, wenn alles untergeht? Warten wir einfach, bis alles aus ist, ohne zu fragen?

 
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Also mal ehrlich, ohne unsere Spitzenpolitiker hätten wir heuer bei Olympia kaum   Medaillenchancen.

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Das ist halt schon das Schöne an der Demokratie: Queen Elisabeth I. regierte 45  Jahre, Kaiser Franz Joseph regierte 68 Jahre,   Sonnenkönig Ludwig XIV. regierte 72 Jahre und Alfred Gusenbauer regierte 18 Monate - nicht.
 Nicht auszudenken, wenn Gusenbauer („Die Sandkiste bin ich!") ebenfalls 72 Jahre regieren würde und dann, gestützt auf die „Pragmatische Sanktion", seine Herrschaft im Jahre 2078  in die Hände seiner Tochter Selina I. legt.
Nein, nein, in der Demokratie wird man  Herrscher relativ rasch wieder los und darf sie dann - als besondere Vergünstigung - getrost vergessen. Oder erinnern Sie sich noch an einen Bundeskanzler Alfons Gorbach? Oder an einen  Sozialminister Walter Geppert?

 
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Der geistige Horizont reicht locker bis zum opulenten Frühstücksbuffet. Die Oliven und der Schafskäse bleiben übrig. Die Marmelade  und der Frischkäse, beides trägt den gut bekannten Namen von Qualitätsmarken aus der Heimat, müssen dauernd nachgefüllt werden. Und danach gehen die sparsam auftauchenden  Gedanken auf direktem Weg zum Strand, wo seit Tagen der selbe Platz belegt wird. Und abends, wenn man es womöglich mit ganz Fitten zu tun hat, reicht der Horizont zwei, drei Gassen weiter. Da geht's dann schon mal mutig ins Abenteuer.

 
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Wenn man sich den Wahlkampf so ansieht, scheint Österreich  nur ein einziges wirkliches Problem zu haben: Wie man die Unsummen an Golddukaten, die irgendwo in einem Geldspeicher von Dagobert-Duck-artigen Ausmaßen gebunkert sind, endlich unter die Leute bringt.
Ob Teuerungsausgleich, Gratiskindergarten, Mietensenkung, Frühpension für alle  oder Grundeinkommen - für die Parteien  ist der Wähler nichts anderes als ein  Automat: Oben wirft man die Wahlversprechen hinein und unten kommt die Wählerstimme heraus. Plopp.
 
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