Wir können uns ja nicht mehr ganz genau erinnern, aber die Wahl 2006 muss eine lustige Veranstaltung gewesen sein. Denn alle ÖVP-Wähler gaben ihre Stimme letztlich einem Kanzler Alfred Gusenbauer. Und alle SPÖ-Wähler unterstützten im Endeffekt eine Regierung mit einem Vizekanzler Wilhelm Molterer, einem Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und einem Spiritus rector Wolfgang Schüssel. - Lauter Masochisten?
Nein, lauter Opfer eines Wahlrechts, das nach dem Prinzip Wundertüte funktioniert: Man weiß nie, was man kriegt. Wenn man diesmal zum Beispiel Hans Dichands Leider-nein-Sohn Werner Faymann seine Stimme gibt, kann man am Ende eine Regierung mit einem Innenminister Heinz-Christian Strache oder genauso gut eine Regierung mit einer Innenministerin Terezija Stoisits bekommen.
Den Unterschied würden wir gerne Klavierspielen können, aber wirklich entscheiden zwischen den beiden Varianten dürfen wir nicht. Der Wähler, von dem es so schön heißt, dass er jetzt dann „am Wort" ist, kann zur Frage Strache oder Stoisits nur ein klares und deutliches „Grnmpf" sagen. Denn letztendlich entscheiden, das tun die Koalitionsverhandler.
Bis zum Wahltag wird uns noch ganz schwindlig werden, wenn wir drüber nachdenken, was wir mit unserer Stimme alles anrichten können. Angenommen, wir wählen ganz harmlos die ÖVP. - Und plötzlich werden wir von schwarz-blau-orangen, schwarz-grün-blauen, schwarz-grün-orangen oder schwarz-grün- . . . (welche rebellische Farbe hat eigentlich dieser Dinkhauser?) Menschen regiert. Und das alles womöglich noch mit hellblauen, liberalen Tupfen.
Oder man wählt einfach die Grünen und denkt sich nichts dabei. Und schon hat man einen Kanzler Dich. . ., äh Faymann mitgewählt. Oder einen Regierungschef Molterer. Oder einen Stoßstangenstaatssekretär (Stststs) Westenthaler.
Das heißt, im Vergleich zu unserem Wahlrecht ist ein Überraschungsei wirklich ein Muster an Berechenbarkeit. Weil in Überraschungseiern sind immer kleine, bunte Plastikmännchen drin.
Ha, jetzt ist das Stichwort gefallen! Jetzt wissen wir endlich, wie wir heuer zu einer wirklich fundierten Wahlentscheidung kommen: Wir kaufen ein Überraschungsei und je nachdem, welche Farbe das Plastikmännchen hat, wählen wir dieses oder jenes Politikmännchen.
Kann auch nicht absurder enden als die Stimmabgabe 2006.


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