Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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Vom Wesen des Beobachters

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Jetzt haben  die Beobachter wieder Hochsaison. Vor zwei  Wochen gingen sie  davon aus, dass die ÖVP keine Neuwahl vom Zaun brechen wird. Vor einer Woche prophezeiten sie, dass Werner Faymann noch im Juli an Stelle von Alfred Gusenbauer Kanzler wird. Und ganz aktuell sind die Beobachter davon überzeugt, dass Heinz-Christian Strache der große Sieger der Wahl sein wird.
Die Beobachter haben  derzeit also  alle Hände oder besser gesagt Augen voll zu tun. Wobei man sich nur fragt: Wer sind diese Leute eigentlich?

Nun, das Wesen des Beobachters ist, dass er zwar gerne und ausdauernd beobachtet,  sich aber ungern dabei beobachten lässt. Wir wissen praktisch nichts über ihn.
Außer, dass er sich mitunter mit seinesgleichen  an geheimen Orten trifft, und sie alle gemeinsam dann geometrische Figuren bilden - nämlich Kreise. Und das sind dann keine gewöhnlichen,  quasi dahergelaufenen Kreise. Nein, diese Kreise sind mit  ungewöhnlichem Wissen ausgestattet. Weshalb man in der Fachsprache immer dann, wenn mehrere Beobachter auf einem Fleck beisammen sind,  von gewöhnlich gut informierten Kreisen spricht.

Wobei man jetzt natürlich lange darüber debattieren könnte, ob ein Kreis gut oder auch nur  normal informiert sein kann. Denn an sich ist ein Kreis ja eine recht zweidimensionale Angelegenheit. Eine Linie, die sich selbst in den Schwanz beißt, ein  Wesen, von dem man nicht mal weiß, wo es anfängt und wo es aufhört.
Aber das ist egal. Kreise, die aus Beobachtern bestehen, wissen alles. Und sie sagen es auch, womit wir schon bei der nächsten Metamorphose sind. Denn kaum haben sich die Beobachter durch Häufung ihrer selbst zu Kreisen verdichtet, verflüssigen sie sich durch beharrliches Sprechen auch schon wieder - zu Quellen.

Diese Quellen haben dann natürlich auch ein schmückendes Beiwort, und so wie Beobachter immer seriös und Kreise, wie erwähnt,  immer gut informiert sind, werden Quellen immer  als verlässlich bezeichnet. Und wann ist eine Quelle verlässlich? Na, gebirgsbachwasserklar: Wenn sie ohne Unterlass sprudelt.
Womit wir mit der beruhigenden Feststellung schließen können: Der kommende Wahlkampf wird ganz maßgeblich von Menschen beeinflusst werden, die zwar keiner kennt, die aber ohne Unterlass  im Kreis beobachten und   betreffend dem, was sie gesehen haben, dann  von Wörtern überquellen. Und das auch noch verlässlich.

 

 


 

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