Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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Juli 2008 Archive

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 Und ewig blüht die Heide. Mit der überraschenden Wiederverwendung der liberalen Spitzenkandidatin der Jahre 1994 und 1995 ist eines endgültig klar: Die Retrowelle hat jetzt auch die Politik erfasst.
Beim BZÖ bahnt sich sogar ein Recycling des Spitzenkandidaten 1986  an. Und wenn wir sehr viel Glück haben, setzen sich  Heide Schmidt und Jörg Haider sogar gemeinsam in ein  Fernsehstudio. Dann setzen wir uns - großes Pippi Langstrumpf-Ehrenwort! - mit  Glockenhosen, einem Sunkist, einem Zauberwürfel, und einem Bazooka vor den Fernseher. Denn dann  ist „Wickie, Slime und Paiper"-Party auf politisch.

 
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Na immerhin. Verstehen uns doch - die hier ", sagt der Mann mit nacktem Oberkörper. Strandsand klebt an seinen Oberarmen. „Kaffee. Mit Milch. Zucker", will er. Er redet in Großbuchstaben. Es ist ein Ton, der bei jedem Ober eines halbwegs stilvollen österreichischen Kaffeehauses Ignorieren auf Lebenszeit zu Folge hätte. „Si", sagt die Kellnerin hinter der Bar. „Si, sofort."
 
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Eines wollen wir vorausschicken: Otto Habsburg und Juppie Heesters sind nicht unsere unehelichen Söhne. Entsprechenden Gerüchten, die auch schon im Ausland kursieren, wollen wir hiermit lächelnd entgegentreten.
 Es würde sich zwar zeitmäßig ausgehen mit der Vaterschaft. Aber wir haben schon einen Hund und zwei Katzen, auf die wir stolz sind. Was aber nicht heißen soll, dass man nicht auch auf Habsburg und Heesters stolz sein könnte.

 
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Wir können uns ja nicht mehr ganz genau erinnern, aber die Wahl 2006 muss eine lustige Veranstaltung gewesen sein. Denn alle ÖVP-Wähler gaben ihre Stimme letztlich einem Kanzler Alfred  Gusenbauer. Und alle SPÖ-Wähler unterstützten im Endeffekt eine Regierung mit einem Vizekanzler Wilhelm Molterer, einem Wirtschaftsminister Martin   Bartenstein und einem Spiritus rector Wolfgang Schüssel. - Lauter Masochisten?

 
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Wenn das einer schaffen konnte dann Bond, James Bond. Und natürlich nicht dieses  Brosnan-Weichei (der spielt jetzt ja sogar in einem Abba-Film mit!), dieser Schönling aus gutem Haus mit der Lizenz zum Schmalzabsondern. Die Leistung, von der hier gleich noch die Rede sein wird,  konnte nur einer schaffen: Daniel Craig. Der Mann hat vor zwei Jahren in „Casino Royale" James Bond seine Würde zurückgegeben hat. Dieser Held machte aus der Karikatur eines Helden wieder einen harten Hund. Dieser Mann nimmt jede Festung ein. Und womöglich muss im aktuellen Fall sogar die Verallgemeinerungsform des unbestimmten Artikels zum Einsatz  werden: „ein" Mann nimmt jede Festung ein.

 
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 Knapp zwei Wochen ist der Wahlkampf jetzt alt, und schon steht der erste große Sieger fest: Fritz Dinkhauser. Denn ihm hat Hans-Peter Martin für eine gemeinsame Kandidatur abgesagt, was die Wahlchancen des Tiroler Rappelkopfs enorm steigert.
 Zwar erläuterte ihm  Martin die Gründe für die Absage in einem, wie es in einer Aussendung Martins hieß, „einstündigen Telefonat". Aber Dinkhauser konnte die Intensivstation bereits wieder verlassen und freut sich einen Haxen  aus, was für ein schnarrender Kelch da an ihm vorübergegangen ist.

 
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Jetzt haben  die Beobachter wieder Hochsaison. Vor zwei  Wochen gingen sie  davon aus, dass die ÖVP keine Neuwahl vom Zaun brechen wird. Vor einer Woche prophezeiten sie, dass Werner Faymann noch im Juli an Stelle von Alfred Gusenbauer Kanzler wird. Und ganz aktuell sind die Beobachter davon überzeugt, dass Heinz-Christian Strache der große Sieger der Wahl sein wird.
Die Beobachter haben  derzeit also  alle Hände oder besser gesagt Augen voll zu tun. Wobei man sich nur fragt: Wer sind diese Leute eigentlich?

 
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Lieder, von denen sich später herausstellt, dass man sie nicht mehr loswird, tauchen im Leben ja auf wie das Verliebtsein. Ohne Vorwarnung. Plötzlich passiert das. Ohne Gedanken an ein Nachher. Unerwartet. Ohne jede Erklärung. Ohne Peinlichkeit. Und ohne jede Angst, die Welt einfach für einige Zeit verschwinden  zu lassen. Denn das Verlieben in Musik hat freilich auch etwas damit zu tun, den Rest der Welt für ein paar Minuten, ein paar Songs lang auszublenden. Im Gegensatz zur Liebe allerdings haben Lieder den enormen Vorteil, dass ihnen selten der Schmerz der Enttäuschung folgt.

Manches, was sich zu Beginn gut anhört, mag seine Bedeutung verlieren. Womöglich verschwindet es auf lange (oder ewig, was freilich heute, da das Ewig nichts gilt, noch nicht zu beantworten ist) im Archiv des Plattenregals. Aber im Moment des Auftauchens, im Augenblick, da die Musik gänzlich Besitz ergreift von einem, da wird man euphorisch und sagt Dinge wie: „Der Sommer ist gerettet!"

Das nun hier die Rede von solcher totaler Verliebtheit ist, hat alles mit der Musik zu tun, die die flämische Theatergruppe Needcompany in gut zwei Wochen bei ihrem Gastspiel im Rahmen der Salzburger  Festspiele bieten wird. Im Netz ist die Musik zum Stück „Das Hirschhaus", das auf der Pernerinsel in Hallein gezeigt wird, schon seit einiger Zeit zu hören. Häppchenweise, wie es Sitte ist in rasanten Download-Zeiten, wurden die Songs verabreicht. Rechtzeitig zur Premiere wird alles auch auf CD zu haben sein.
Es ist ganz und gar wunderbare Popmusik, die da aus dem Nichts auftaucht.  Denn wer rechnet damit, dass in öden Zeiten wie diesen, da angeheiratete Staatspräsidentinnen mit hohlem Schönklang die Charts stürmen und Klingelton gewordenen „Pop"-Songs die Welt mit Lärm verschmutzen, eine Theatergruppe einen Rettungsring wirft?!

Wenige Gründe gab es in den vergangenen Monaten, sich Hals über Kopf in irgendeinen Popsong zu verlieben. Die Musiker der Needcompany liefern gleich mehrere Gründe, an die Kraft des Pop als poetische und gesellschaftspolitische Kraft  zu glauben. So gut wie sich diese paar Songs, allesamt fein ausgetüftelt und voller Emotion, die aber niemals anbiedernd wird, anfühlen, so wie diese Lieder die letzten großen Dinge des Lebens, das Sterben und die Liebe, das Sehnen und die Enttäuschung angehen, kann in diesem Sommer nichts mehr schief gehen.

 
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Harte Zeiten kommen auf die niedlichen kleinen Kaffeebohnen zu, sehr harte Zeiten. Zerstampfen wird man sie, zermahlen, zu Sud verkochen. Und am Ende wird man noch herumstochern in diesem Kaffeesud und dann weise verkünden: Der und der gewinnt die Nationalratswahl.
Dabei gibt es einen viel menschlicheren Umgang  mit Schwester Kaffeebohne: Man stopft sie sich ins Ohr, dann kriegt man von den ganzen Umfragen nichts mehr mit.

 
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De mortuis nil nisi bene. Über Tote nichts außer Gutes. - In diesem Sinne wollen wir heute eine rundum positive Bilanz über die beste Regierung aller Zeiten ziehen, die uns gestern allzu früh nach langer, schwerer Gesundheit verlassen hat. Snüff.
Das Kabinett, was heißt Kabinett: der Saal Gusenbauer/Molterer hat sich zwölf große, ewige Verdienste um unsere Republik erworben, und zwar:

 
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Es! Ist! Heiß! Sehr! Seit Tagen! Bhrrrrrrrrrrrrr ist das dazu gehörende Geräusch. Es soll dem  Zustand der Bedrückung (Hitze, Schweiß, Erschöpfung) ebenso Ausdruck verleihen wie seine Verwendung einer gewissen Erleichterung und natürlich der Dokumentation des  Unmuts über die aktuelle Situation dienen. Bhrrrrrrrrrrrrr also.

 Diese Geräusch sieht folgendermaßen aus: Die Lippen leicht nach vorn stülpen. Viel, richtig viel Luft durchblasen. Dadurch geraten die Lippen in Bewegung. Sprich: Sie beginnen heftig zu vibrieren, ja geradezu zu flattern (was sich kitzelig anfühlt und sicher auch lustig aussieht, aber selbst sieht man es ja leider nicht - außer man übt vor dem Spiegel, was wiederum schon ein bisschen sehr irre sein würde).

Wichtig dabei: Möglichst wenig Speichel sollte sich im Mund bilden, denn sonst wird aus dem Bhrrrrrrrrrrrrr recht leicht und schnell gefährlich für etwaige Gegenüber ein Pfutschuschlrrr, also ein Pfuigacki, wie Kleinkinder triumphierend angewidert sagen würden, wenn Eltern oder andere Erwachsene einen ekeligen Blödsinn treiben. Und so heiß kann es nämlich auch gar nicht sein, dass ein Gegenüber die Absonderungen, die sich im tragischen Fall zwischen den vibrierenden Lippen den Weg bahnen, als erfrischend empfinden würde. Da ist es besser, man lädt sein Gegenüber zu einem kühlen Drink ein. Aber mit ein bisschen Training bleibt bei der stillen, einsamen Beschäftigung mit dem Bhrrrrrrrrrrrrr eh alles trocken, während Leiberl, Hose und alles andere auch schon allein vom Sitzen und Nichtstun durchgeschwitzt werden.

 Nun soll das  keine Beschwerde über den Sommer sein. Im Gegenteil. Der Sommer ist gut und zum Baden da   und zum Bergsteigen und zum Grillen und zum Gastgartenbiertrinken und  je heißer desto lieber und verstehe  die Klagen, dass es zu heiß sei, wer will. Denn: Niemals kann es zu heiß sein. Andererseits: Für Hirnarbeit wie diese Zeilen  ist Hitze - Sie haben's schon bemerkt -   nicht so gut.

Aber 's ist halt Sommer. Da hat man Zeit, während man kocht beim Schreiben. Die Tage sind auch schön lang und da fallen einem Sachen ein, an die man sonst nie wagt zu denken, weil ja so viel zu tun ist - und schon gar nicht kommt man auf die Idee, solche Sachen auch noch aufzuschreiben. Aber im Sommer! Heiß! Was für ein Spaß!

 
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Der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew hatte eine ausgeklügelte Taktik, um interne Machtkämpfe zu überstehen: Wenn im Politbüro wieder einmal an seinem Stuhl gesägt wurde, legte sich Breschnew einfach ins Spital und ließ verlauten, er sei todkrank. Daraufhin dachten sich die Putschisten: Das zahlt sich jetzt gar nicht mehr aus, ihn abzusetzen; warten wir gleich auf sein Ableben. - Woraufhin Breschnew rapide gesundete und wieder mal eine Kreml-interne Krise gemeistert hatte.

 
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Ja, das waren vier aufregende  Wochen, die  nun  hinter uns liegen. Am meisten verwunderlich war, dass es erwachsene Leute  gibt, die sich freiwillig kurzärmelige Leiberl mit der Versalinjurie „SCHWEINSTEIGER" überstreifen.
 Und am zweitmeisten hat uns gewundert, wie wenig begeistert, ja   peinlich berührt die „Kronenzeitung" den EU-politischen Kotau der SPÖ  hingenommen hat: kein Triumphgeheul, sogar ein kritischer Leserbrief - Wir können uns das nur so erklären, dass die „Krone" um ihre Auflage bangt, wenn sie eine parteipolitische Punze kriegt, weil sich eine Partei in ihrer schwersten Krise  zu ihren Füßen hin kuschelt.

 

 
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