Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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Fritz, der Volkstribun

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War die geniale Zwei-Firmen-Strategie der Tiroler ÖVP vielleicht doch Absicht? Das Outsourcing ihres Parteimitglieds Fritz Dinkhauser  hat sich für die Schwarzen jedenfalls ausgezahlt: ÖVP plus die Liste „Fritz" kamen in Tirol auf stolze 60 Prozent - das erreicht derzeit keine andere Landespartei. Nicht einmal Erwin Pröll in Niederösterreich.

Möglich wurde dies, indem Herwig van Staa seine politischen Schwächen - mangelnde Herzlichkeit und Bodenständigkeit - punktgenau durch  Fritz Dinkhauser ausgleichen ließ, der exakt das ist: herzlich und bodenständig.
Motto der Geheimaktion, die gekonnt durch den Streit van Staa-Dinkhauser kaschiert wurde: „Des bissel Opposition, des mir in Tirol brauchen, des mach ma uns fei selber, gell?"

Mit Nachahmungen darf gerechnet werden. Jede Partei, die  demnächst zu einer Wahl antreten muss (und  bei der herrschenden  Stimmung im Lande  wird das immer lebensgefährlicher), wird ihre Schwächen durch eine Zweitpartei unter der  Leitung eines vermeintlichen Rebellen  auszugleichen versuchen.
 Die Gusenbauer-SPÖ wird eine Schwester-Liste für gehaltene Wahlversprechen ins Rennen schicken, die ÖVP eine für soziales Warmsein, die Grünen eine für Jugend und Dynamik und die Freiheitlichen eine für Glaubwürdigkeiten aller Art.
Nur das BZÖ muss das nicht tun. Die Orangen sind schon die Zweitpartei ihrer selbst.

Neu ist das alles natürlich nicht, denn die Zwei-Firmen-Strategie wurde bereits im alten Rom erfunden. Damals wollten sich die herrschenden Patrizier nicht mehr länger dem  Vorwurf aussetzen, gegen das Volk zu regieren. So erfanden sie das Amt des Volkstribunen, der fortan in der Politik mitmischen durfte.
Nicht selten handelte es sich bei den Volkstribunen, die die Rechte der Plebejer vertreten sollten, aber selbst um Patrizier. Berühmt wurde diesbezüglich Publius Claudius Pulcher, ein reicher, schöner Patriziersohn, der sich dem Volk so  weit anbiederte, dass er sogar seinen Vornamen ins plebejisch klingende Clodius änderte.  

Solcherart zum Volkstribunen gewählt, erfand Publius Clodius Pulcher 58 v. Chr. die frumentatio, die kostenlose Getreideversorgung des Volkes, also die Urform von „Brot und Spiele" und damit  unseres heutigen Sozialstaats.
Womit wir bei der unerwünschten Nebenwirkung jeglichen Volkstribunats sind: Clodiusse und Fritze können mitunter recht teuer kommen.

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