Möglich wurde dies, indem Herwig van Staa seine politischen Schwächen - mangelnde Herzlichkeit und Bodenständigkeit - punktgenau durch Fritz Dinkhauser ausgleichen ließ, der exakt das ist: herzlich und bodenständig.
Motto der Geheimaktion, die gekonnt durch den Streit van Staa-Dinkhauser kaschiert wurde: „Des bissel Opposition, des mir in Tirol brauchen, des mach ma uns fei selber, gell?"
Mit Nachahmungen darf gerechnet werden. Jede Partei, die demnächst zu einer Wahl antreten muss (und bei der herrschenden Stimmung im Lande wird das immer lebensgefährlicher), wird ihre Schwächen durch eine Zweitpartei unter der Leitung eines vermeintlichen Rebellen auszugleichen versuchen.
Die Gusenbauer-SPÖ wird eine Schwester-Liste für gehaltene Wahlversprechen ins Rennen schicken, die ÖVP eine für soziales Warmsein, die Grünen eine für Jugend und Dynamik und die Freiheitlichen eine für Glaubwürdigkeiten aller Art.
Nur das BZÖ muss das nicht tun. Die Orangen sind schon die Zweitpartei ihrer selbst.
Neu ist das alles natürlich nicht, denn die Zwei-Firmen-Strategie wurde bereits im alten Rom erfunden. Damals wollten sich die herrschenden Patrizier nicht mehr länger dem Vorwurf aussetzen, gegen das Volk zu regieren. So erfanden sie das Amt des Volkstribunen, der fortan in der Politik mitmischen durfte.
Nicht selten handelte es sich bei den Volkstribunen, die die Rechte der Plebejer vertreten sollten, aber selbst um Patrizier. Berühmt wurde diesbezüglich Publius Claudius Pulcher, ein reicher, schöner Patriziersohn, der sich dem Volk so weit anbiederte, dass er sogar seinen Vornamen ins plebejisch klingende Clodius änderte.
Solcherart zum Volkstribunen gewählt, erfand Publius Clodius Pulcher 58 v. Chr. die frumentatio, die kostenlose Getreideversorgung des Volkes, also die Urform von „Brot und Spiele" und damit unseres heutigen Sozialstaats.
Womit wir bei der unerwünschten Nebenwirkung jeglichen Volkstribunats sind: Clodiusse und Fritze können mitunter recht teuer kommen.


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