Ray Ban. Pilotenbrille, sagten wir früher als Buben aufschauend – und wir haben bewundernd gestaunt, wenn an uns (besser: an den Typen neben uns) ein solches Teil vorbei getragen wurde. Irgendwann investiert man selbst in ein solches Teil und findet sich dementsprechend cool. Immerhin stellt man sich damit in eine Reihe mit Steve McQueen, Carlos Reutemann, Sean Penn. Gute unter sich also. Ray Ban – das Urmodell – ist eine sichere Bank in Bezug auf die Bewertung der äußeren Erscheinung. Wer die trägt, irrt nicht. In diesem Fall gilt: Klassiker der Design-Moderne! Unumstrittene Qualität. So blöd kann der Kopf gar nicht geformt sein.
Dass diese Zeitlosigkeit so gut ist, fällt (etwa bei dem dieser Tage um die Welt gegangenen Bild von Sean Penn aus Cannes) vor allem deshalb auf, weil sich in modischen Fragen ja sehr schnell brutale Irrtümer ergeben. Und das Blödeste daran: Man bleibt mit dem Irrtum nicht allein, nein, man trägt ihn zur Schau und man kann zuschauen, wie der Irrtum stolz durch die Stadt spazieren geht. Denn: Neben der unvermeidbaren Umweltbelastung durch Geräusche lassen sich auch die Augen nur schwer verschließen vor dem optischen Umweltschutz, der uns begegnet. In diesen Tagen etwa durch die erwachende Frühjahrs- und Frühsommerkleidung. Der Rest soll hier aber mal egal sein – es geht um das Prinzip Sonnenbrille.
Das Prinzip Sonnenbrille war entgegen anders lautender Ideen von Ärzten, Umwelt- also Menschheitsschützern und neuerdings auch aus der Abteilung Kinderschutz-Superpädagogen niemals eine medizinische Einrichtung. Immer schon ging’s dabei nicht, wie uns all die Hinweise auf die Stärke des UV-Schutzes einreden wollen, um den Schutz der Augen. Es geht – wie lustig, da es sich um einen Sichtschutz handeln soll – ums Gesehenwerden – und zwar nach allen Regeln der Modewelt. Und in dieser Saison (es hat sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet) wird das wieder einmal sehr groß geschrieben.
Wie Schutzmasken bedecken manche Modelle (vorzugsweise solche, bei denen die Initialen ihrer Produzenten breit auf den Bügel platziert werden) die schönsten Gesichter. Wobei schon dieser Satz problematisch ist: Hinter (oder doch: unter) vielen Modellen lässt sich nämlich gar nicht mehr erahnen, wie schön oder nicht schön so ein Gesicht daherkommt. Schade. Von Augenkontakt ohnehin ganz zu schweigen.


Manch einer pflegt sein Image so lange,
bis er keins mehr hat...