Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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September 2007 Archive

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Uns liegen exklusiv Fotos und Texte aus dem Exposé vor, mit dem Herr Gorbach die inferioren  Blindbewerbungen an Finanzminister Darling und andere  Politgrößen illustrierte:

 
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Welcher Politiker stellt das schönste Sprichwort  oder die  treffendste Redensart dar?  Weitere Bilder aus der Flut der Einsendungen aus den Parteizentralen...

 
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Floskeln und Redensarten sind das halbe Politleben. Wir baten daher unsere Lieblingspolitiker, ihre    Lieblingssprichworte und Redewendungen bildlich darzustellen.

 
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Der Kopfball gehört zu den nicht nur in unserem Land  unterschätzten Kunstformen. Diese Behauptung wird schon durch die dafür notwendige Beweglichkeit erfüllt. Denn der Kopfball bedingt, dass sich sein Ausführender über die primitive Herde auf dem Rasen erhebt. Die Verwendung des Kopfes zum Erreichen des gewünschten Ziels kommt also der Auflösung üblicher, simpler  Traditionen gleich. Diese sind meist gewachsen aus der Unfähigkeit, trotz aller Anstrengungen (neuzeitlich fußballerisch gesagt: Millioneninvestitionen)  Körper und Geist so zu beleben, dass – wenn man schon keine Flügel bekommt – immerhin noch so viel Zweisamkeit übrig bleibt, halbwegs über die Runde zu kommen.
Der Kopfball mag im Regelwerk der Menschheit und somit auch des Fußballs vorgesehen sein, womit sein Einsatz also nicht bestraft werden kann. Dennoch zählt er in eigenständiger Ausführung zu den ganz seltenen Tugenden.

Die bittere Niederlage  von Red Bull Salzburg im UEFA-Cup wurde am vergangenen Donnerstag bei zwei von drei Gegentoren maßgeblich durch das Kopfballspiel der Kontrahenten besiegelt.
Es scheint nur eine logische Konsequenz, dass die Vorführung des griechischen Teams von AEK Athen ihren Anfang und ihr Ende im Köpfchen hatte. Den Bogen von Alpha nach Omega spannte Kopfarbeit. Um Ausreden nie verlegen, wollen wir den Griechen da   einen historischen Vorteil zugestehen. Ohne deren kopfstarke Stürmer würden wir ja immer noch durch die Katakomben menschlichen Denkens irren.

Gut, wir haben Wittgenstein, Popper oder  André Heller. Aber lässt sich  Wittgenstein ohne Aristoteles denken? Die Kopfballvorlagen lieferten immer die Griechen. Pythagoras löst mit seinem Satz jedes rätselhafte Dreieck. Heraklit lässt alles fließen. Platon war Spielmacher auf allen Positionen. Und erst Sokrates, der Trickser, der soll überhaupt der Schlauste gewesen sein, weil er wusste, dass er nichts weiß.
Da aber muss dieses Denkspiel jetzt aber durch einen  Pfiff unterbrochen werden. Auf dem Spielfeld der Ahnungslosigkeit nämlich kann in Ermangelung von Lichtgestalten auch mancher heimische Küchenphilosoph in den Rang von Weltgeltung kommen.  Den Beweis liefert das leicht abgewandelte Zitat eines bedeutenden Vertreters der alpinen Weltsportart Skifahren: „We are a too small country to do good football.“ Wer, der bei Verstand ist, wollte nach solcher Weisheit noch auf Kopfstärke hoffen?


 
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Über Österreich

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Es gibt Niederösterreich, es gibt Oberösterreich, es gibt aber auch sehr viel über Österreich. Zu sagen nämlich.

„Österreich, das ist das Land, über das man sich zu Tode ärgert und in dem man doch sterben möchte.“  (Sigmund Freud)

„Die österreichische Haus-, Hof- und Staatspflicht: Nicht zu sein, sondern zu scheinen.“ (Ferdinand Kürnberger)

„Denn nicht nur die Abneigung gegen den Mitbürger war dort bis zum Gemeinschaftsgefühl gesteigert, sondern es nahm auch das Mißtrauen gegen die eigene Person und deren Schicksal den Charakter tiefer Selbstgewißheit an.“ (Robert Musil über Kakanien)

Die österreichische Verfassung schwankt beständig hin und her – wir haben den Despotismus, gemildert durch Schlamperei.“ (Victor Adler)

„Die Österreicher sind ein Volk, das für einen guten Witz alles verzeiht.“ (Egon Friedell)

„Österreich ist das wichtigste Element im europäischen Machtgleichgewicht. Die politische Unabhängigkeit und die Freiheit Europas beruhen nach meiner Meinung auf der Erhaltung und Unversehrtheit Österreichs als einer europäischen Großmacht.“ (Der britische Premier Palmerston 1849)

„Österreich ist ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt.“ (Helmut Qualtinger)

„Die österreichische Nation ist ein aus Katholizismus, Habsburger-Tradition und feudaler Barockkultur zusammengebrauter Spuk.“ (Der geistige Führer der  Sozialdemokratie, Otto Bauer, im Jahr  1937)

Dies Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.“ (Friedrich Hebbel)

„Österreich kommt immer eine Stunde, eine Schlacht und eine Idee zu spät.“ (Napoleon)

„Meine ganze Libido gilt Österreich-Ungarn.“ (Sigmund Freud)

„Österreich ist der König im europäischen Schach. Er selbst ist unbeweglich, aber sein Verlust entscheidet das Spiel.“ (Bundeskanzler Ignaz Seipel)

„Zittre, du großes Österreich, vor deinen kleinen Beamten.“ (Eduard von Bauernfeld)

„Das ist der Fluch von unserm edlen Haus: Auf halben Wegen und zur halben Tat mit halben Mitteln zauderhaft zu streben.“ (Franz Grillparzer)

 
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Weil das Extreme grad so in Mode ist und weil dieser Umstand den  Zwischenraum für Zwischentöne auslöscht, sage ich frech: „Den ganzen Rest überspringe ich.“ Und die Musikfachfrau im Plattenladen schaut ganz verdutzt. Der „Rest“ sind nämlich Bach, Mozart, Schubert und all die anderen. „Ich brauch gleich den ,Ring‘“, sage ich und protze mit schnell angeeignetem Wissen: „Dirigent Daniel Barenboim. 91/92 in Bayreuth.“ Hinter solch kurzen Sätzen, betont wie Befehle,  verbirgt sich die Verlegenheit des Ahnungslosen. Die leichte Ironie im Tonfall folgt den Gesetzen des Tarnens und Täuschens: Ein kleines angedeutetes Witzchen schützt vor der Entlarvung. Bloß nicht erkannt werden als Depp.

Ahnungsloser Depp! Nichts anderes bin ich, wenn ich von der Annäherung an Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ erzähle. Andererseits: Was für eine tolle Voraussetzung das ist! Oder wie der brillant-brutale Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied einst über den Lokalteil einer extrem bayrischen, extrem rechtslastigen Zeitung sagte: „Von nix eine Ahnung  haben und über alles schreiben, ist auch eine Form der Objektivität.“  Aber seien Sie beruhigt, Wagnerianer oder nicht,  es geht gar nicht um den Wagner, sondern nur darum, wie man dazu kommt, sich das Fremde,  das bisher Weggestoßene, Verleugnete ins Leben zu holen.

Schlendernd nähern sich mir die wichtigen Ereignisse.“ Mit diesem Satz eröffnet Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf sein kommende Woche erscheinendes, literarisches Debüt „Vorabend. Eine Aneignung“.  Es geht dabei um seine Auseinandersetzung mit dem „Ring“, den er  im Herbst an der Wiener Staatsoper inszenieren wird. Die Vorablektüre  folgt einer Laune des  Jobs und sie besiegelte ein neues Schicksal: Jetzt ist der „Ring“ da. Aus dem Nichts. Und dass er ins Leben tritt, steht nur stellvertretend für das Überwinden unüberbrückbar geglaubter Grenzen, dient als Plädoyer für unbedingte Offenheit und Liberalität.

Die Musikfachfrau holt – quasi ohne schauen zu müssen – mit einem Griff die Barenboim-Aufnahme aus dem Regal. Ich zahl’ und pack’ es ein, das Box-Set mit den 14 CDs. Das war vor ein paar Wochen. Seither bildet der grummelnde Beginn von „Rheingold“ (weiter bin ich noch nicht) den Soundtrack zum Leben, weil nichts Sinn ergibt, wenn es nicht unmittelbar im Leben verortet wird. So stürzt man sich ins Unglück.

 
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Dass  Drohvideos so viel mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, hat Folgen.  Die Politik springt  auf den Trend auf.

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Peter Westenthaler hatte mit  seinem Sommer-Rücktritts-Drohvideo wegen   der niveaulosen Politik    schon tolle Mitleidserfolge erzielt. Dieses exklusive Dreharbeitenfoto zeigt erstmals, wie  ihm   Jörg Haider  den Rücktrittsfloh ins Ohr setzte.   

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Willi Molterer  stellte in einem VP-internen Video dar,  wie er im  ÖVP-Vorstand  bei  drei Tage getragenen Socken die Schuhe aus- und nicht mehr anziehen wird, wenn die ÖVP-Perspektivengruppe  noch einmal  die Worte Gemeinsame Schule oder Homo-Ehe gebraucht.

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Der als Agnostiker  vor dem Papstbesuch    etwas  verunsicherte  Bundespräsident  hat in einem jetzt aufgetauchten Hofburg-Video geübt,  einen Mittelweg zu finden, indem er   den Papst     mit militärischen Ehren begrüßt und    Schönborn als „Kardinal König“ anspricht. Drohungen, die er zum Glück  nur  zum Teil wahr machte.

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Van der Bellen  kündigt in einer Internet-Botschaft an, das bei den Grünen kultisch verehrte Kuvert mit seinem geheimen Rücktrittsdatum  (angeblich 18. 1. 2034)  zu vernichten, falls noch mal jemand eine Verjüngung des grünen Klubs fordert.   

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Und KHG, der stets  beteuert, noch  nie Meinl und Deinl verwechselt zu haben,  nötigt  in einem neuen  Meinl-Drohvideo die  Kleinanleger, nicht zu jammern. Man könne, wie er in dem Video  zeige, auch  das letzte Hemd  mit  Stil verlieren.

Bilder: SN/APA (4), COMTE FÜR VANITY FAIR

 
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So ein Papst ist, sagen wir’s mal ganz volkstümlich, bisweilen ein richtig armes Schwein. Nicht nur wegen des Regens. Da fliegt er raus aus dem Gebetskleinstaat, aus der sakralen Museumsmeile mitten in Rom und muss, egal wo der Flieger landet, lieben Kleinen (angetreten in ortsüblicher Tracht meistens) sagen, wie noch viel lieber er sie findet, weil sie ein Sprücherl auswendig lernen haben müssen.

 
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Schule von A bis Z

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Mit dem   neuen  Schuljahr beginnt  auch die Schulpolitik wieder ihr gedankenschweres Haupt zu heben. So wie die schulpflichtigen Schulkinder mit unschuldigen Mienen ihre Schultasche schultern und den Schulweg zur Schule nehmen, verlassen auch Österreichs führende Schulpolitiker nun ihre schulreformerischen Denkschulen, schultern ihre bildungspolitischen Bi-Händer und ziehen wieder – ein Schulbeispiel an Pflichterfüllung – in die ewige Schul-Schlacht.

Als geheime Schule der Nation schulden wir unseren fegefeurigen Lesern   eine Vorbereitung auf diesen schulpolitischen Herbst. Denn  egal, ob Helmut Elsner noch lange  als Beschuldigter auf der Anklagebank sitzt, ob  schulterlanges Haar wieder modern wird oder ob der  Schuldenberg  wächst –   entscheidend ist doch die Zukunft unserer Kinder. Daher wollen wir unsere Schuldigkeit tun und  unsere    Schulweisheit von A bis Z ausbreiten:

Alte Gehrer-Schule: Flötespielen, Häkeln und – horribile dictu! – Noten.
Delfinschule: Feuchte Angelegenheit für – fehlende Senkung der Klassendelfinhöchstzahl! – bis zu 100 Schüler.
Differenziertes Schulsystem: Das ist, wenn für alle Schüler, egal ob Hauptschule oder AHS, der gleiche Lehrplan gilt.
Gesamtschule: Das ist, wenn die Schüler in allen wichtigen Gegenständen getrennt und in allen unwichtigen gemeinsam unterrichtet werden.
Klasse: Unerwünschte gesellschaftspolitische Erscheinung der Vergangenheit. Ziel daher: die klassenlose Gesellschaft.

Neue Mittelschule: Flötespielen, Häkeln und Noten, aber eben neu. 
Reifeprüfung: Leistungstests für 18-Jährige.
Schulautonome Tage: Die Lizenz zum Kurzurlaub.
Schulbank: Langes Möbel, auf das man bildungspolitische Entscheidungen schiebt.
Schulschluss: Wie Kurzschluss, nur kürzer.
Schulversuch: Das ist, wenn man für eine Prüfung nichts lernt und schaut, ob man trotzdem durchkommt.
Sitzenbleiben: Die moderne Form, den die Klasse betretenden Lehrer zu begrüßen.

Tanzschule: Einzige Schulform, in der Nachsitzen ohne Sessel möglich ist.
Vorschuljahr: Ferien. Vor dem Schuljahr sind  Ferien.
Zeugnis: Schon die Bibel warnte die Lehrer: Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten!
Zwickeltag:  Der  ideale Zeitpunkt für einen schulautonomen Tag (siehe dort).

 
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Letzten Endes war es ein richtig guter, schöner Sommer. Die, die es ganz besonders gut hatten, lagen sich an den lauschigen Abenden in den Armen an einem See, den sonst niemand kennt. Die, die Zeit hatten, saßen bis spät nachts in den Gastgärten und Terrassen feiner Lokale, nachdem sie ein bisserl Kunstluft und Theateratem und Opernwelt genossen haben. Und wer nicht in die Kunsttempel schaute, ging halt in ein Partyzelt oder irgendwohin auf Urlaub.

 
Salzburg: Stadt SalzburgFlachgauTennengauPongauPinzgauLungau
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