Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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August 2007 Archive

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Bald ein Jahr ist es her, dass wir einen neuen Nationalrat gewählt haben, und man darf sagen: Es war ein gutes Jahr. Gleich nach der Wahl sanken einander die beiden Gar-nicht-mehr-so-groß-Parteien  in die Arme und schon begann das Kabinett  Gusenbauer I zu arbeiten bis zum Umfallen.
Hunderte Reformen wurden auf die Reise geschickt (leider hat sich keiner gemerkt, wohin) und den schönsten Erfolg erzielte die Regierung mit dem energischen Anpacken des im Wahlkampf entdeckten Pflegenotstandes: Bereits vier der 25.000 illegalen Pflegerinnen  wurden legalisiert – eine beeindruckende Zahl. Und der schlagende Beweis, dass nur eine Große Koalition die wirklich großen Probleme lösen kann.

Hoch ist auch die Diskussionskultur und intellektuelle Debattierlust in der Koalition. Und das geht so:
Die ÖVP-Perspektivengruppe „Wochentag“ schlägt eine Verfassungsbestimmung vor, wonach auf Samstag künftig jeweils ein Sonntag folgen solle. Der Koalitionspartner reagiert empört:   Bundesgeschäftsführer Josef Kalina wirft der ÖVP einen klerikalen Feldzug gegen die kleinen und mittleren Einkommen vor. Verteidigungsminister Norbert Darabos will drei Sonntage weniger bestellen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ruft staatsmännisch dazu auf, die Verunsicherung der Bevölkerung zu beenden.

Auch die ÖVP-Spitze geht auf Distanz: „Debatten sind gut und Zeichen einer lebendigen Partei. Aber nicht jeder Vorschlag muss umgesetzt werden“, hält Parteichef Wilhelm Molterer fest. Auch aus Wien-Meidling und dem hinteren Montafon kommen warnende ÖVP-Stimmen.
Nur Familienministerin Andrea Kdolsky tanzt wieder aus der Reihe: Sie will ihre nächste Heirat just für Sonntag ansetzen. Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa erklärt daraufhin, dass man das Buntsein auch zu weit treiben könne.
Umfragen ergeben, dass 72 Prozent der Österreicher gegen eine verfassungsmäßige Samstag-Sonntag-Automatik sind. Der ORF setzt ein „Help TV Spezial“ zum Thema an.

Die Grünen überlegen, eine Mahnwache am Sonntagberg abzuhalten, verwerfen die Idee dann aber wieder. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache startet ein Volksbegehren für Abschiebungen auch am Sonntag. Sozialminister Erwin Buchinger verspricht Sonntage in Kuba für alle. Das BZÖ gibt es auch noch. Und Altkanzler Wolfgang Schüssel schweigt natürlich wieder. Sicher steckt er hinter dem Ganzen.

 
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Aus gegebenem Anlass wollen wir heute 362 Worte über den Ailuropoda melanoleuca, den Großen Panda, verlieren. Der hat ja eine ungeheure Ähnlichkeit mit der Großen Koalition: Scharf in zwei Farben geteilt, von Geburt an blind und es dauert etliche Monate, bis er den ersten Schritt tut.

Aber lassen wir die Politik. Die Geburt des kleinen Pandachens in Schönbrunn hat nicht nur in Österreich, sondern auch in China große Freude ausgelöst. Der Panda ist dort ja so etwas wie ein Nationalheiligtum. Bereits in einem vor 2500 Jahren erschienenen chinesischen Naturkundebuch namens  „Die Klassiker der Seen und Berge“ wird ein „bärenähnliches schwarz-weißes Tier“ beschrieben. Und in einer königlichen Grabstätte aus dem 2. Jh. v. Chr. fand man als Grabbeigabe einen Pandaschädel.

Der erste Europäer, der einen Panda zu sehen bekam, war angeblich im Jahr 1869 ein französischer Missionar. 1936 kam dann der erste lebende Panda in den Westen: Der Zoo von Chicago stellte das Jungtier Su-lin aus – und Chicago (obwohl in den 1930er Jahren durchaus auch anderwärtig beschäftigt) stand Kopf.
So wie wir jetzt in Österreich, als . . . zur Welt kam. Ja, wie heißt er nur? Vorläufig hat er (oder sie) noch keinen Namen. Wir persönlich würden ja für „BZÖ“ plädieren, weil er so klein ist. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, den niedlichen Panda zu benennen:

Maria Theresia (weil er in Schönbrunn wohnt),
Wolfi (weil er nix sagt),
Heinz-Christian (weil er auch noch nie etwas mit Neonazis zu tun hatte, Ehrenwort!),
Red Bull (weil er sicherlich  bald vom Dietrich Mateschitz gesponsert wird),
Gusi (weil auch Pandas sich nur langsam bewegen),
Free Tibet (weil wir ein gutes Werk tun wollen),
Eurofighter (weil er seit seiner Ankunft versteckt wird),
Heifi (weil so ein Panda überaus bedächtig ist),
Elsner (weil er die ganze Zeit hinter Gittern sitzt),
Jörg (weil ihm zweisprachige Ortstafeln auch wurst sind).

Die Wahrheit ist natürlich, dass wir dem possierlichen Tierchen gar keinen Namen geben dürfen. Seine Eltern sind nämlich nur eine Leihgabe Chinas und mit zwei Jahren wird der Kleine nach China zurück müssen. Und die chinesischen Behörden entscheiden auch über den Namen.
Andererseits: Wenn wir uns sehr anstrengen, schlagen wir nach zweijähriger Aufenthaltsverfestigung vielleicht doch ein pandaitäres Bleiberecht heraus.

 
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Gegebenenfalls sollte darüber nachgedacht werden, dass es Alternativen geben könnte, wenn etwas eintritt, mit dem niemand hätte rechnen können.“ Urheber erraten? Na sicher, wir hier sind ja noch nicht ganz so blöd, wie dumm uns – sagen wir mal  – Programmchefs im Fernsehen verkaufen. So einen Satz traut man ja auch niemand anderem zu. Oder? Eine solche Ansammlung von Konjunktiven und vorauseilenden Entkräftungen von ohnehin nicht Gesagtem – das schaffen nur professionelle Lügner.

Der Satz stammt aus einem Politiker-Interview in der ZiB von irgendwann. Thema? Leider vergessen. Macht aber nichts. Wo Vertreter des Brüder-und-Schwestern-Vereins, der nicht nur hier zu Lande „Politiker“ genannt wird, das Maul aufreißen, spielt Inhalt oft wenig Rolle. Noch einmal zum Einprägen: „Gegebenenfalls sollte darüber nachgedacht werden, dass es Alternativen geben könnte, wenn etwas eintritt, mit dem niemand hätte rechnen können.“

Da lässt sich was daraus machen. Nicht fürs Leben, sondern für die Sprachwissenschaft. Und so nimmt es wenig Wunder, dass der Zettel, auf dem ich den schönen Satz mal  notiert habe, gerade jetzt rausrutscht aus der geduldigen Abschreibmappe, während dieser Werbespot läuft. Obwohl: Werbespot? Verstehen die Menschen eine Werbung, wenn sie sich gegen etwas richtet? Richtet sich Werbung nicht per se an die Lust der Menschen für etwas. Dafür etwa, ihr Geld auszugeben in den Tempeln des neuesten Schreies für Dinge, die ihnen im ersten Moment gar nicht sinnvoll, aber halt so toll vorkommen?

Aber in dieser Spot, der da gerade um halb elf Uhr nachts läuft, geht es – peppig jugendlich  aufgemacht – darum, den Menschen, also eigentlich den Kids, mitzuteilen, dass Trinken (also Saufen) nur deshalb selig macht, weil man da auch tot umfallen kann – besser: Man könnte. Gegebenenfalls! Und da werden sie sich jetzt aber ordentlich fürchten, die ganzen Kids, die gerade gespannt die ZiB2 verfolgten, um nun voller Erregung auf das Wirtschaftsmagazin Eco zu warten. Zwischen die beiden Sendungen wurde der Spot nämlich reingeschoben. Und bei einem solchen Timing da muss – ähnlich wie bei oben erwähnten Konjunktivtirade – schon gefragt werden dürfen, ob es tatsächlich in erster Linie die Kids sind, die sich an den schönen Slogan dieses Spots halten sollen: „Nachdenken statt nachschenken“.

 
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Nicht erst seit Wladimir Putins halb nackten Angelfotos ist klar: Jetzt ist die Zeit der Körpergebildeten. Früher, da war der Leitsport der Politik der Langstreckenlauf. Jimmy Carter tat es, Wolfgang Schüssel tat es, selbst Bill Clinton und Joschka Fischer taten es. Denn mit dem Langstreckenlauf waren die politischen Tugenden der damaligen Zeit darstellbar: Langer  Atem, Zielstrebigkeit, Schwitzen vor lauter Fleiß. Vorbei. Die Zeit  der Marathonmänner ist unwiderruflich vorbei.

Heute tummelt sich der Politiker von Welt nicht mehr auf der Landstraße, sondern in der Kraftkammer. Quälen ja, aber nicht vor den Augen der Öffentlichkeit. Für die ist nur das Ergebnis bestimmt: der gebildete Politkörper.
Die Fitnessstudios haben auf diesen Trend längst reagiert und ihre Foltergeräte an die Erfordernisse des politischen Alltags angepasst, wie folgende Geräteliste zeigt:

J1 Fersenheben: Unverzichtbare Übung für Hinterbänkler und siebente Zwerge von links. Macht größer als man ist.
C5 Rudern: Empfiehlt sich vor allem für Amtsträger, die mitunter ihrer Zeit voraus sind und von dort irgendwie zurückkommen müssen.
D5 Armkreuzen: In Verbindung mit gemütlichem Zurücklehnen die bevorzugte Übung der gegenwärtigen Regierung.

G 5 Schulterheben: Diese Übung, im Volksmund auch Achselzucken genannt, trainiert der  gevifte Funktionär für den Fall, dass er einmal nach seiner politischen Verantwortung gefragt werden sollte.
H4 Handdrehung nach  außen: Spezialübung für Finanzminister Wilhelm Molterer. Zeigt jedem, der etwas von ihm will, dass er leere Hände hat.
B5 Beugung im Kniegelenk: Fitnessrüstzeug für alle Populisten. Hilft ihnen, jederzeit vor jeder öffentlichen Meinung in die Knie zu gehen.
F1 Rumpfdrehen: Die Übung für den geschmeidigen Aufsteiger. Erleichtert jegliche Wendung nach links und rechts und wieder retour.

B8 Fußheben: Wichtiges Training für das problemlose Übersteigen von politischen Latten, die man sich zuvor auf den Boden gelegt hat.
G4 Halsbeugung: Hilft beim Vorwärtskommen innerhalb der Partei und beim Abnicken von Befehlen von oben.
D6 Brustdrücken: Vielleicht die wichtigste Übung von allen. Hier trainiert der Politiker, Unangenehmes und Unpopuläres vor sich herzuschieben.
J2 Klimmzug: Eigentlich noch wichtiger, weil ganz entscheidend fürs Vorwärtskommen auf der Karriereleiter.

 
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Die innenpolitische Nachrichtenlage ist derzeit als außerordentlich dünn zu bezeichnen. Das müsste nicht so sein, denn die wahren Sensationsgeschichten dieses Sommers sind noch ungeschrieben:

Schüssel und Cap
gemeinsam auf Urlaub

Wie erst jetzt bekannt wird, verbringen die Klubchefs  von SPÖ und ÖVP, Josef Cap und Wolfgang Schüssel, ihren Urlaub gemeinsam im Salzkammergut. Die beiden Politiker, denen immer ein schlechtes Verhältnis nachgesagt wurde, gehen laut Augenzeugen täglich Händchen haltend  in die Konditorei und essen dort gemeinsam einen  Coup „Heiße Liebe“.

Buchinger verspricht
Rückbau des Sozialstaats

Nach mehrwöchigem Schweigen hat Sozialminister Erwin Buchinger (SPÖ) gestern einen einschneidenden Sozialabbau angekündigt. Der Sozialstaat müsse rückgebaut werden, denn die derzeitige Überversorgung führe zu einer Entmündigung der Menschen, sagte der Minister. Caritas und Diakonie begrüßten die Ankündigung.

FPÖ und BZÖ vor
WiedervereinigungHeinz-Christian Strache und  Jörg Haider haben  bei einem Spargelessen die Wiedervereinigung von FPÖ und BZÖ besiegelt.  Der Einigungsparteitag soll in Knittelfeld stattfinden, wo die Wehrsportfotos Straches auf offener Bühne zerrissen werden. Neuer Parteichef der Blorangen wird Ewald Stadler.

ÖVP legt ihr neues
Bildungskonzept vor

Die ÖVP hat ihr  lange erwartetes Bildungskonzept mit Leistungstests für Zwei- bis 92-Jährige vorgelegt. Die gesamte Partei steht hinter dem Papier, das Bildungssprecher Fritz Neugebauer  mit  seinen steirischen Parteifreunden  erarbeitet hat.

Generationswechsel
bei den  Grünen

Bei den Grünen ging gestern der lange erwartete Generationswechsel über die Bühne: Parteichef Alexander Van der Bellen  (63) übergab sein Amt an Freda Meissner-Blau (80).

Gusenbauer legt
sein Amt zurück

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat am Montag überraschend seinen Rücktritt erklärt. „Ich kann es einfach nicht“, sagte er in einer kurzen Abschiedsansprache. Bundespräsident Heinz Fischer äußerte in einer Reaktion Verständnis.

 
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Zweifel am Schulsystem sind gänzlich unberechtigt. Auch mag die Nachtseite der Vernunft in regelmäßigen Abständen über Flur und Feld hereinbrechen, und gut, die vier Burschen sind schon halbwegs betrunken. Aber die vier füllen trotzdem einen Zettel aus. Die Schriftbeherrschung, das Alphabet beherrschen sie in einem Maß, das zumindest Namen und Adresse ganz automatisiert auch bei extrem erhöhtem Pegelstand nach dem Genuss diverser Erfrischungen abrufen lässt.

 
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Weltweit fanden  soeben  Elvis-look-alike-Wettbewerbe statt. Auch in Wien. Da die meisten Österreicher auch im Sommer arbeiten müssen, nahmen fast nur Politiker teil.

 
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Nicht immer war eine Verwaltungsreform ein derart aussichtsloses Unterfangen wie heute. Wie eingehende Forschungen belegen, fiel das goldene Zeitalter der Verwaltungsreform  rund um das Jahr 100.000 vor Christus.
Die Anregung des damaligen Rechnungshofpräsidenten Fred Feuerfiedler, doch von den Bäumen zu steigen, um dadurch die Amtswege zu verkürzen, wurde glatt befolgt. (Die von damals herrührende, ruhegenussfähige Baumsteigerzulage wird im Bundesdienst übrigens  heute noch bezahlt.)
Auch Feuerfiedlers Empfehlung, auf aufrechten Gang umzusteigen, um damit die amtlichen Schuhkosten zu halbieren, wurde als richtig erkannt und – wie man schon 100.000 v. Chr. sagte – umgesetzt.

Weitere epochale Verwaltungsreformen bestanden in der Erfindung des Rades, um die bis dahin eher holprig, weil viereckig besteinten Dienstautos flott zu bekommen, und in der Zähmung des Feuers. Durch diese wollte der Rechnungshof erreichen, die Amtsstunden in den Diensthöhlen auch in die Abendstunden ausdehnen zu können.
Allerdings  zog   das (vor allem zum Kochen von Filterkaffee unternommene) Hantieren mit offenem Feuer     unerwünschte, von Feuerfiedlers kühlen Rechnern so nicht einkalkulierte Folgen nach sich: Die Flammen vertrieben Höhlenbär und Säbelzahntiger, woraufhin in Ermangelung natürlicher Fressfeinde  die Amtsschimmelpopulation überhand nahm.

Noch eine weitere unvorhersehbare Innovation zog die wohlige Wärme in den Amtshöhlen nach sich: den gesunden Büroschlaf. Die steinzeitlichen Rechnungshofprüfer schworen zwar Stein und Bein, das so nicht geplant zu haben, doch mit ihrer Reputation war es ab sofort vorbei.
Ob zehnprozentiger Selbstbehalt bei Wahlversprechen, Intelligenztests für Wähler oder Denkpflicht vor Nationalratsreden – kein einziger  Rechnungshof-Ratschlag wurde fortan noch von der Politik beherzigt.

Auch angesichts der aktuellen Einsparungsvorschlägen des Rechnungshofs in Milliardenhöhe  wird in allen politischen Amtshöhlen, äh, -stuben wortreich erklärt, dass diese völlig überzogen, unmöglich durchführbar, nur im Nachbarressort bzw. -bundesland sinnvoll und im Übrigen längst in die Tat umgesetzt seien.
Bleibt als letzter Sparvorschlag: Schaffen wir den Rechnungshof ab! Die Politik hier zu Lande ist derart gut, dass sie keine Ratschläge benötigt. Und das schon seit der Steinzeit.

 
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Vor wenigen Tagen wurde hier erklärt, warum die politische  Saure-Gurken-Zeit eigentlich Saure-Gurken-Zeit heißt. Weil nämlich jetzt im Sommer die süß-sauren Gurkerl eingelegt werden.  Womit die Saure-Gurken-Zeit  durchaus  auch Süß-saure-Gurken-Zeit heißen könnte. Noch dazu, wo   immer mehr Menschen es gar nicht für sauer, sondern für unendlich süß halten, wenn sie den ganzen Sommer über nichts von Politik hören.
Heute wollen wir  aufklären, warum ein Tag wie der gestrige Montag, an dem kaum jemand zur Arbeit ging,  Blauer Montag heißt. Angeblich stammt dieser Ausdruck aus dem Handwerk der Färber. Denn  beim Indigofärben ist es  so, dass der gefärbte Stoff am Ende an der Luft trocknen muss, weil er erst dann die typische blaue Färbung annimmt. Während dieser Phase, die üblicherweise auf den Montag fiel, blieb dem Indigofärber nichts anderes übrig, als nichts zu tun:  Also Blaumachen am Blauen Montag.

Und weil wir schon dabei sind: Der Ausdruck Blauer Brief hat  nichts mit der   Korrespondenz von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache zu tun, sondern geht auf die Kabinett-Schreiben im alten Preußen zurück. Diese steckten in blauen Umschlägen und enthielten mitunter auch Kündigungsbriefe an Beamte.
Auch der Rote Faden ist nicht jene fragile Aufhängevorrichtung, an dem das Schicksal des aktuellen Kanzlers hängt. Vielmehr kommt der Ausdruck aus England. Da dort von den Schiffen  der königlichen Marine immer wieder  die guten Taue gestohlen wurden, kam die Admiralität auf die Idee, in sämtliche Taue einen roten Faden hineindrehen zu lassen. Dieser zog sich durch das gesamte Tau, war nicht zu entfernen und markierte so auf ewig das Eigentum der britischen Marine.

Hingegen hat das Schwarze Loch eindeutig mit der ÖVP zu tun.  Denn bei diesem astronomischen Phänomen handelt es sich – laienhaft ausgedrückt – um Reste eines kollabierten Riesensterns. Diese Reste sind  so extrem masseverdichtet, dass sie alles, was in ihre Nähe kommt, in das schwarze Chaos ziehen. Quasi  ÖVP-Bildungsdebatte.
Was passiert, wenn  man den Roten Faden am Blauen Montag ins Schwarze Loch fädelt, wissen wir nicht. Und was wir noch nicht wissen, ist, woher der Ausdruck Grüner Daumen stammt.  Möglicherweise daher, dass die Grünen seit  Jahren mit einem Zettel „Regierungsbeteiligung “  am Straßenrand stehen und mit dem Daumen hinter sich deuten.  Aber beschwören können wir das nicht.

 
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In einer Woche beginnen wieder die allseits beliebten Sommergespräche  im ORF. Da der Sender die Verantwortung für diese Interviews mit den Parteichefs offensichtlich nicht mehr allein übernehmen kann, lädt er diesmal Zeitungsjournalisten als Frager dazu. – Nicht von den besten Zeitungen, sondern von den größten.
Das garantiert dem ORF eine flächendeckende gute Nachred’, die ansonsten nicht selbstverständlich wäre. Schließlich flüchten die Parteichefs bei ihren Sommerinterviews zumeist in Phrasen, für die Otto und Muhammed Normalverbraucher eigentlich eine Übersetzung brauchen. Hier ist sie:

Das ist ein guter Vorschlag und wir werden prüfen, ob es noch andere Vorschläge gibt“: So einen Schmarren hab ich noch nie gehört.
„Ich arbeite mit meinem Kollegen vom Koalitionspartner wirklich gut zusammen. Wir verstehen uns prächtig“: Wenn ich den Kerl schon sehe, geht mir der Feitel im Sack auf.
„Ich bin sehr glücklich  mit meiner jetzigen Aufgabe. Ich mache sie gerne und an etwas anderes denke ich nicht“: Ich arbeite verbissen an meinem nächsten Karrieresprung, und wenn  der nicht bald kommt, werde ich echt grantig.

Bei der Steuerreform geht es um eine Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen“: Wenn wir Geld verteilen, dann nur an unsere eigenen Wähler, das ist doch klar.
„Uns geht es um die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich“: Wir müssen  an unsere fleißigen Parteispender aus der Wirtschaft denken.
„Wir wurden gewählt, um vier Jahre lang für dieses Land zu arbeiten. Vorgezogene Neuwahlen sind kein Thema“: Wir würden ja echt gerne Neuwahlen vom Zaun brechen. Aber leider haben wir derzeit null Kohle für einen Wahlkampf.

Die Leute haben genug von den Streitereien. Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen“: Die anderen sollen nicht ständig Manderl machen, sondern das tun, was wir sagen, und eine Ruh’ ist!
„Die Frage des Spitzenkandidaten ist derzeit nicht aktuell. Sie wird zeitgerecht entschieden werden“: Puh, ich klammere mich  ja eh mit aller Kraft an meinen Sessel, aber ob ich das bis zur Wahl durchhalte, steht in den Sternen.
„Ein Rücktritt von Minister Darabos ist überhaupt kein Thema. Er leistet hervorragende Arbeit“: Es ist immer gut, wenn man einen Sündenbock in der Regierung sitzen hat.
„Danke für das interessante Gespräch“: Gott sei Dank ist das Gelabere endlich vorbei.

 
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Nein, wir schreiben jetzt gar nichts mehr über Westis selbstreflexive Abscheu vor der „Niveaulosigkeit“ der  Politik.

 
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Es gehört zum Bildungsstandard jedes dreijährigen Journalistenlehrlings im ersten Papamonat, dass man Artikel nicht mit Zahlen überfrachten darf. Ab drei Zahlen lesen die Leser nicht weiter. Heißt es.
Da wir hier somit bereits drei (uups: vier!) Zahlen  verwendet haben, schreiben wir das Folgende ohnehin unter Ausschluss der Öffentlichkeit und brauchen uns daher keine Zahlengewalt mehr anzutun.

Also, los geht’s.  Österreichs Kennzahlen, wie wir sie der amtlichen Sadistik entnehmen, lauten:

1 Bundespräsident
2 Millionen Rinder
3 Millionen Schweine
4 Milliarden  Euro Defizit
5 Parteizentralen
6 Staatssekretäre
7 Monate Rot-Schwarz
8 Millionen Einwohner
9 Landeshauptleute
10 Buchinger-Ideen pro Woche
11 Meter bis zum Tor
12 Sternzeichen
13 gesetzliche Feiertage
14 Minister bzw. Nothelfer
15 Eurofighter (Stand: 08/2007)
16 Mal Kalina pro Tag
17 Mal Missethon pro Tag
18 EU-Abgeordnete
19 Ordungsrufe pro Saison
20 Regierungsmitglieder

Doch kommen wir  zu den  größeren Zahlen:

21 Möchte-gern-Kanzler
22 Legislaturperioden
23 Wiener Bezirksvorsteher
30 km Stau vorm Tauerntunnel
40 Bawag-Prozesstage
41 Prozent Steuerbelastung
50 Koalitionskrachs
53 Maier-Weltcupsiege
62 Bundesräte
72 Landesregierungsmitglieder
84 Bezirkshauptmänner
99 politische Bezirke
108 Liter Bier pro Kopf und Jahr
136 Meter Stephansturm
160 Milliarden Staatsschuld
167 Seiten Koalitionspakt
183 Abgeordnete
250 verteilte Kdolsky-Kondome
320 Sommerfestspiele
365 Mal aufstehen pro Jahr
448 Landtagsabgeordnete

Womit wir  die Tausender-grenze durchbrechen:

1000 Euro Mindestlohn
1149 Tage bis zur Wahl
1500 Kommissionen
2000 Arbeitsgruppen
2357 Bürgermeister
5000 Seiten Gesetze jährlich
14.600 Euro Zuverdienstgrenze
60.000 Gemeinderäte
83.000 km2 Fläche
90.000 Bundesbeamte
530.000 Salzburger
1,000.000 Gästebetten
1,300.000 Kinder
2,000.000 Pensionisten
3,500.000 rote Ampeln
5,700.000 Kraftfahrzeuge
8,000.000 Teamchefs

 
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Ort: Traditions-Kaffeehaus, Menschen in Anzug und Abendkleid. Zeit: Früher Abend dieser Tage.

Der Zugereiste: Aber geh, das ist ja alles ein Morast, ein schiacher. Also eh was Gutes im Grunde, weil so ein Morast, wenn der ein richtiges  Moor ist und nicht  eine  ölig schimmernde, übrig gebliebene Wasserlache nach dem  berühmten Regen hier, dann hat so ein Moor ja was Heilendes, was Reinigendes. Ein Packung Weltfrieden für eine gewisse Zeit. Eingepackt in Dreck, damit der innere Müll ein bisserl verschwindet.

 
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Contador – Schon sein Name klingt wie ein Medikament!“ titelte die deutsche „Bild“-Zeitung über den diesjährigen Sieger (oder Nochsieger) der Tour de France. Doping ist also zur Zeit in aller  Munde und Adern, doch das ist ja eigentlich nichts Neues.
Schon Alexander der Große soll  Dopingsünder gewesen sein und  unglaubliche Mengen Alkohol  getrunken haben, ehe er Großes vollbrachte. Otto von Bismarck, der Eiserne Kanzler, dopte sich mit bis zu zwei Kilo Muscheln täglich. Und vom Zaubertrank in dem gewissen kleinen Ort in Gallien brauchen wir gar nicht erst zu reden.

Insofern nimmt es nicht Wunder, dass Doping auch in Österreich ein ganz alltägliches Phänomen ist. Red Bull Salzburg dopt sich mit nicht unter zehn Legionären pro Aufstellung. Die Stadt Salzburg dopt sich mit einer überdimensionalen Mozartkugel auf dem Kapitelplatz. Und ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer dopt sich mit Bildungstests für Dreijährige. Davon macht er täglich zehn Stück. Das ist gut fürs Selbstbewusstsein – und einfacher als  Sudokus „knifflig“.
Helmut Elsner wiederum nimmt als Doping weiße Gesundheitsschlapfen, und zwar zwei Stück pro Tag. Er ist schon direkt süchtig danach.

Alfred Gusenbauer dopt sich mit den  eigenen Begeisterungsstürmen über seine  Leistungen (was den Vorteil hat, dass diese Substanzen  nicht nachweisbar sind).  Außenministerin Ursula Plassnik  greift, wenn sie einen Durchhänger hat, zu  Turnschuhen der Marke „Converse“. Bildungsministerin Claudia Schmied dopt sich mit Kampfvokabeln aus dem 18. bis 19. Jahrhundert, etwa als sie bei der Salzburger Festspieleröffnung die „Fackel der Aufklärung“ schwang. Und Wilhelm Molterer dopt sich mit Wolfgang Schüssel.
George W. Bush nimmt, wenn es nicht mehr weitergeht, als Doping einen neuen britischen Premierminister. Überhaupt, wenn die alte Schachtel Blai®  gerade leer geworden ist.

Und was nimmt Norbert Darabos, wenn es ihm nicht gut geht? Er nimmt drei Eurofighter weniger.
Der einzige weiße Fleck auf der  Doping-Landkarte sind wir selbst. Denn wir Österreicher brauchen keine Substanzen zur Leistungssteigerung, wir brauchen  nach den turbulenten Jahren, die hinter uns liegen,  Beruhigungsmittel. Vor einem halben Jahr haben wir uns deshalb je ein Gusivin forte  und ein Moltaren 2000 eingeworfen. Hm, wirkt eigentlich ganz gut. Nur die Wechselwirkungen sind ein bissel heftig.

 
Salzburg: Stadt SalzburgFlachgauTennengauPongauPinzgauLungau
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