Satire

Satirische Beobachtungen auf Politik und Gesellschaft: SN-Redakteure und ihre nicht immer ernst gemeinten Bemerkungen zum Zeitgeschehen.

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Juli 2007 Archive

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Hoch gehen  die Wogen wegen der Idee, der Justiz künftig durch einen Justizanwalt auf die Finger sehen zu lassen. Vom Ende der Gewaltenteilung ist bereits die Rede, die Richter drohen mit einem Aufstand und rufen sogar nach  einer Volksabstimmung.
Warum die Justiz gar so allergisch auf die Idee eines Aufpassers reagiert? Das kann nur an der Geschichte von Preußenkönig Friedrich II. und dem Müller-Arnold-Prozess liegen.

Die ging so: Im Preußen des Jahres 1779 wurde dem Wassermüller Christian Arnold der Prozess gemacht, weil er dem Grafen Schmettau den Zins für seine Mühle schuldig geblieben war. Der Müller begründete dies damit, dass ihm  durch das Anlegen von Karpfenteichen das Wasser für das Betreiben der Mühle  entzogen worden sei. Kein Wasser, kein Einkommen, kein Zins – so die Rechtfertigung des Müllers.
Die Justiz beeindruckte das herzlich wenig. Sie verurteilte Arnold und verfügte  zudem die Zwangsräumung und Versteigerung seiner Mühle.

Der Müller, solcherart um seine Existenz gebracht, wandte sich  an den König. Dieser verwies den Fall an die nächste Justizinstanz, die jedoch wieder zu Gunsten des Grafen entschied. Friedrich der Große setzte daraufhin eine ranghohe Untersuchungskommission ein, um den Fall prüfen zu lassen. Ergebnis: Das gleiche Urteil wie zuvor.
Der König –  schon leicht genervt – befahl der Berufungsinstanz nun klipp und klar, „die Sache mit dem Arnold sogleich in Ordnung zu bringen“. Der Müller habe seine Mühle zurückzubekommen, und eine Entschädigung dazu. Andernfalls, so der drohende Nachsatz des allerhöchsten Schreibens, werde Seine  Königliche Majestät „alle zum Teufel jagen“.

Aber die Justiz blieb standhaft und bestätigte die Verurteilung des Müllers erneut. Die Rache des Alten Fritz war fürchterlich: Kaum war das Urteil gesprochen, ließ er den Großkanzler und die drei Richter auf sein Schloss  zitieren, tobte über die „Advokaten-Streiche“, die den kleinen Leuten ihr Recht vorenthielten, und griff zu drastischen Maßnahmen:  Der Großkanzler wurde entlassen, die drei Richter kamen hinter Schloss und Riegel  und wurden zu einem Jahr Festungshaft verdonnert (die ihnen vom König aber schließlich erlassen wurde).
Die preußische Justiz war schockiert über den Vorfall, Müller Arnold war froh. Er bekam seine Mühle zurück. So weit die Geschichte von Friedrich II., dem Justizanwalt.

 
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Reise mit Fliege

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Ich fuhr vom Lungau nach Wien. An Bord befand sich, wie ich erst nach dem Losfahren merkte, auch eine Fliege. Es handelte sich um eine typische Lungauer Fliege, denn kraftstrotzend wie alles in Salzburgs gesunden Gebirgsgauen summte sie ohne Unterlass durchs Auto. Mach’ doch die Fliege, dachte ich zunächst, doch bald bekam ich Mitleid mit der Ruhelosen. Sie wollte das, was wir alle wollen: nach Hause.
Doch wer dreht schon wegen einer Fliege um? Also fuhren wir beide weiter gen Wien. Ins heiße Wien. Der Temperaturunterschied zwischen Lungau und Wien beträgt mindestens 15 Grad. Sind Fliegen eigentlich hitzeempfindlich?  Wenn man es genau nimmt, weiß man recht wenig über Fliegen. Sie haben Facettenaugen und  einen Chitinpanzer, erinnere ich mich. Klingt heiß.
Bsss. Mittlerweile waren wir beide längst in der Steiermark, in der Mur-Mürz-Furche. Ein klassisches Krisengebiet. Auch für heimatvertriebene Fliegen.
Das muss man sich bitte vorstellen: Fliegt nur mal rasch in ein Auto – rumms, Tür zu und ab in den Osten! Weg von Weib und Kind. Oder Mann und Kind. Woran sieht man das eigentlich bei Fliegen? Oder noch schlimmer: Weg von Mama und Papa!
Bruck an der Mur. Das liegt genau auf  halbem Weg. Jetzt kommt Umdrehen schon überhaupt nicht mehr in Frage.
Was wird die Fliege in Wien machen? Was machen Fliegen denn überhaupt, außer fliegen?    Kapfenberg. Und sie kennt in Wien sicherlich keinen Menschen. Und keine Fliege. Vermutlich wird sie von den großkopferten Wiener Fliegen sowieso als Provinzlerin abgelehnt werden, obwohl sie doch keiner Fliege etwas zu Leide tun kann.
Semmering. In den Tunnels fliegt die Fliege nicht. Da schläft sie. Schlafen Fliegen? Eintagsfliegen sicher nicht. Das geht sich einfach nicht aus. Falls meine Fliege eine Eintagsfliege sein sollte, ist sie ab sofort die weitestgereiste Eintagsfliege der Weltgeschichte. Wiener Neustadt.
Spannend wird, ob in Wien überhaupt  Platz ist für sie. Vielleicht haben Fliegen ja auch Reviere. Im Grundbuch für Menschen steht, dass mein Garten mir gehört. Im Grundbuch für Tiere steht hingegen, dass mein Garten drei Maulwürfen, zwei streunenden Katzen, einer Kohlmeisen-Sippe und zwei  Amseln gehört. Mit Bleiberecht für so und so viele Wiener Fliegen. Meine Fliege wird da keinen Fuß in die Tür bekommen. Obwohl sie sechs davon hat.
Wiener Südosttangente. Heute ist kein Stau, wie im Flug sind wir daheim. Einparken, Türe auf – bsss, weg ist sie, der blinde Passagier. Trotz Facettenaugen. Danke für die kurzweilige Reise!

 
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In eigener Sache

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Sozialminister Erwin Buchinger lässt wieder einmal aufhorchen. Ist an sich nix Neues. Im Gegenteil: Man fragt sich ja schon, wie der Mann vor lauter Aufhorchenlassen überhaupt noch zum Regieren kommt. Aber wir horchen artig auf. Diesmal wegen der Buchinger-Forderung nach einer Bestrafung jener Unternehmer, die keine ältere Arbeitnehmer beschäftigen. Gute Idee. Überhaupt wenn man bedenkt, dass Buchinger der älteste Arbeitnehmer in dieser Bundesregierung ist.

 
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Geht ja nicht darum, Phrasen zu dreschen, sondern zu zerschlagen. Aber wo fest gespielt wird, da muss halt mitgehackt werden am Groben. Wir schlachten, was geht. Da muss er durch, der Elefant, durch den Laden voller Gmundner Keramik. Und während ich brüte in der Hitze über die schlaflosen Nächte im bevorstehenden Sommertheater, biegt einer mit eingezogenem Kopf flott ums Eck im Café Bazar.

 
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Üppig schießen zur Zeit die Ideen für eine Reform des Staates  Österreich ins Kraut. Eine hochrangig besetzte Arbeitsgruppe etwa schlug zur Abschlankung des Gemeinwesens eine neue Justizanwaltschaft, einen zusätzlichen Parlamentsunterausschuss und neun neue Gerichtshöfe vor.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer  führt im Parlament Kinderführungen ein, um den verzärtelten  Staatsbürgernachwuchs abzuhärten. Und der Bundesrat – der Running Gag der heimischen Polit-Landschaft –  teilte dieser Tage mit, dass er auch noch da ist.

Wirklich zielführend ist aber etwas anderes: Der geheimnisvolle Plan zur Abschaffung der Gesetzgebung. Im Wissen darum, dass das Machen von Gesetzen teuer ist und das Überwachen ihrer Einhaltung noch viel teurer, wird derzeit   an der Ad-absurdum-Führung jeglicher gesetzlichen Vorschrift gearbeitet.
Gesetzliches Pensionsalter?  Völlig egal, wir sind invalid oder im „Korridor“. Gesetze für Asylverfahren und Einwanderung?  Vielleicht reicht ja auch einfach ein Bleiberecht. Gesetzliche Zuverdienstgrenze beim Kindergeld? Puh, das ist aber schon extrem ungerecht, dass die nach fünf Jahren immer noch kontrolliert wird!

Gegenüber diesem Masterplan zur Eindämmung der Gesetzesflut erscheinen die jüngst geäußerten Ideen von BZÖ-Obmann Peter Westenthaler zur Staatsreform eher halbherzig: Er will einfach den Staat –  Parlament, Landtage, Landesregierungen – halbieren. Der Applaus war ihm  dennoch gewiss, würde eine Halbierung des Nationalrats doch auch bedeuten, dass es dort statt sieben ganzen nur noch 3,5 halbe Orange gäbe.
BZÖ-Klubo im halbierten österreic Nationa an der Wie Ringst bliebe aber natürlich Pet Westen. Außer der Kärn Landesha Jö Hai hätte etwas dagegen. Was wir aber nicht glauben, da Hai ja anderes zu tun hat: Er muss mit Bundesk Alf Gusen und Vizek Wil Molt endlich eine Lösung der Kärn Ortstaf aushandeln,  wie dies Bundespr und Staatsob  Hei Fis in Auftrag gegeben hat.   

Verteidigun Norb Dar hat das mit der Halbierung übrigens längst vorweg genommen und die Zahl der neuen Eurof von 18 auf neun halbiert. Und auch Jö Hai selbst war mit seinem FPÖ-Halbierungsplan in Knittel 2002 ganz über die Maßen erfolgreich.
Vielleicht kann man sich mit ihm ja jetzt darauf einigen, von den zweispra Ortst jeweils nur die Hälfte aufzustellen. Die obere selbstverständlich ...

 
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Exzellenz! Eminenz! Magnifizenz! Potenz! Energieeffizienz! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohe, mittlere und niedrige Festgemeinde!
Wir sind heute  hier in diesem wundervollen Rahmen von ... (Zutreffendes bitte einsetzen) zusammengekommen, um ein Ereignis zu begehen, das, wie ich meine, zu feiern lohnt: Die Eröffnung der ... (Zutreffendes bitte einsetzen) Festspiele. – Festspiele! Allein der Klang dieses Wortes versetzt uns in  erwartungsfrohe Stimmung, schwingen in ihm doch –  wenn sie mir diesen nicht untiefen Gedankengang erlauben – zwei Bedeutungen mit: das Fest und die Spiele.

Beides – das feste Spiel wie das spielerische Fest  – hebt uns  in Verbindung mit den unvergänglichen Werken des hiesigen Genius Loci, des großen ... (Zutreffendes bitte einsetzen), empor aus dem Müh- und Rinnsal des Alltags. Empor auf eine Warte, von der aus gesehen uns die  müh- und rinnseligen Beschwernisse dieses Alltags plötzlich klein oder zumindest bewältigbar erscheinen.
Und, so frage ich Sie, meine Hamen und Derren: Ist dieses aargleiche Emporschwingen in die  lichtdurchfluteten Gefilde des größeren Ganzen nicht der tiefere oder vielmehr höhere Sinn der ... (Zutreffendes bitte einsetzen) Festspiele?
Ich glaube nein.

Werte Festgäste! Wir sitzen hier, weil wir heute Freikarten gekriegt haben und uns gerne reden hören. Aber kann das wirklich alles gewesen sein? Abermals wage ich ein klares Nein! Der abendländische Kulturkreis, dem wir uns  gerade in  den Fährnissen der  Globalisierung  verpflichtet fühlen, sieht bei Festlichkeiten wie diesen auch ein Buffet vor.
Denn unsere Heimat ... (Zutreffendes bitte einsetzen) ist nicht nur großer und selbstredend gender-maingestreamter Söhne, sondern auch – ein Schelm, wer es verschwiege!– großer Leberknödel.

Schon der antike Denker Anaxagoras sah in ihnen ein Sinnbild für die runde Vollkommenheit des Lebens, eine faustische Antithese zu den harten Ecken und Kanten des kafkaesken Salzstangerls.
   Überwinden wir, das rufe ich von dieser Stelle aus der atemlos an meinen Lippen hängenden Welt zu, überwinden wir die platte, trockene Dialektik von Salz und Stangerl! Greifen wir mit diesen Festspielen hinein ins pralle, runde und fein faschierte Leber, äh,  Leben!
In diesem Sinne erkläre ich die diesjährigen ... (Zutreffendes bitte einsetzen) Festspiele samt Buffet für eröffnet. Das Spiegelei kann zerrinnen!

 
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Mit dem Technischen haben wir's an dieser Stelle ja nicht so. Das liegt daran, dass da so leicht viel kaputtgeht. Knöpfe und Schrauben, Schalter und Hebel, das fordert Hirn und Hand und wenn eines davon überlastet ist, wie soll dann das andere tun, was passieren soll, damit irgendetwas funktioniert. Zumindest aber lässt sich bei Hammer und Säge, Radio und Kühlschrank noch durchschauen, woran man scheitert.N euerdings (also ohnehin schon seit Jahren, aber das Unangenehme drängt man ja weg, wie's ärger gar nicht geht) funktioniert das Durchschauen des Technischen ja nicht mehr. Wo digital draufsteht, hilft ja auch das letzte Restwissen aus dem Physikunterricht oder den Stunden in Opas Werkstatt nichts mehr.

 
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Jetzt im Sommer haben die Politiker endlich einmal Zeit, auch geistig zu arbeiten: Sie lesen. Gerne geben sie Auskunft, zu welcher Lektüre sie  dabei  greifen, und so wissen wir dank der SPÖ-Internet-Seite, dass Alfred Gusenbauer diesen Sommer „Nomade auf vier Kontinenten“ von Ilija Trojanow und  Erwin Buchinger „Der Wasserträger“ von Rick Moody lesen wird. Wenn’s wahr ist.
Denn Politiker neigen zum Renommieren, zumal in Fragen der Bildung. Zu Bruno Kreiskys Zeiten etwa  war es für jeden SPÖ-Funktionär Pflicht, als bevorzugte Lektüre den „Mann ohne Eigenschaften“ anzugeben. Und zwar auch dann, wenn er nicht einmal den ersten barometrischen Absatz verstand. Aber es war halt das Lieblingsbuch vom Alten.

Was lesen die Politiker diesen Sommer also wirklich? Zunächst einmal die neueste Umfrage über ihre Beliebtheitswerte, das ist klar. Dann die zweitneueste Umfrage über ihre Beliebtheitswerte, und hierauf die dritt- und die viertneueste. Aber dann?
Der Kanzler, so vermuten wir, lernt Heimito von Doderers „Merowinger“ auswendig. In diesem vergnüglichen Büchlein geht es um einen ehrgeizigen Mann, der mit der  Zeit alle Konkurrenten in seiner Umgebung aus dem Weg räumt, sich zu seinem eigenen Vater, Großvater und Onkel aufschwingt und so die totale Familie gründet. Das hat schon was.

Die beiden Herren des Finanzministeriums, Wilhelm Molterer und Christoph Matznetter, nehmen diesen Sommer gemeinsam „Die Räuber“ von Schiller durch. Auch die beiden Parteisekretäre von Rot und Schwarz, Josef Kalina und Hannes Missethon, lesen einen Klassiker: „Dichtung und Wahrheit“ von Goethe.
Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll kaut nach wie vor am „Schatz im Silbersee“ und auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hält es mit Karl May: „Der Waldläufer.“
Jörg Haider in Kärnten schmökert in seiner umfangreichen Sammlung slowenischer Schulatlanten und BZÖ-Obmann Peter Westenthaler liest „Fünf Freunde und das Geheimnis der orangen Kugel“.

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen greift immer wieder gerne zu Stifters „Nachsommer“, weil er dort die Gewissheit hat, dass auf annähernd 1000 Seiten nicht das Geringste passiert.Und ein Minister liest gerade Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Um welchen Minister es sich dabei handelt, fällt jedoch leider unter die militärische Geheimhaltung.

 
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Lässt man die beiden Raketen Gusenbauer und Molterer einmal weg, besteht die gegenwärtige Bundesregierung aus 18 Mitgliedern. Diese 18 jet-schnell regierenden Politfighter wurden von Bundespräsident Heinz Fischer im Jänner zur heimischen Politraumüberwachung (PRÜ) bestellt.
Nun stellt sich aber die ernsthafte Frage, ob nicht auch 15 Stück ausreichend wären. Denn mit dem bei den Politfightern Buchinger, Bartenstein  & Co. ersparten Geld könnten wir Nützlicheres tun. Etwa ein kostenloses Vorpensionsjahr oder eine finnische Gemeinschaftssauna der Zehn- bis 14-Jährigen einführen.

Experten geben uns völlig Recht: Neben Kanzler und Vizekanzler sind 15 Politfighter mehr als genug. Die ebenfalls neutrale Schweiz kommt sogar mit nur acht Ministern aus. Skeptiker wenden zwar ein, dass damit keine 24-Stunden-PRÜ möglich ist, sondern quasi nur noch zu Bürozeiten regiert werden kann. Aber das schreckt uns nicht sehr. In der Nacht schlafen wir ohnehin.
Bleibt die Frage, auf welche drei Politfighter wir verzichten. Warnen würden wir vor einer Stornierung  der Staatssekretäre wie Heidrun Silhavy, Reinhold Lopatka oder Christa Kranzl. Bei diesen  Politfightern handelt es sich um ausgesprochene Geheimwaffen: Ihre Funktionsweise liegt vollends im Dunkeln, was jeden potenziellen Gegner total verwirrt.

Somit muss die Einsparung bei den Ministern erfolgen. Hier  wäre zu überlegen, ob für Österreichs Zwecke statt der hochgezüchteten Tranche-2-Minister nicht auch die billigeren Politfighter der Tranche 1 ausreichend wären. Diese sind zwar keine ausgesprochenen Bomber, aber die für Politiker so wichtige  Luft-Luft-Fähigkeit wäre jedenfalls vorhanden.
Da Tranche-1-Minister aber gar nicht mehr gebaut werden, müssen wir uns gebrauchte Modelle der deutschen Bundesregierung liefern lassen. Im Tauschwege werden wir der deutschen Kanzlerin Angela Merkel sechs unserer neuen Politfighter – also die Damen Bures, Schmied und Kdolsky sowie die Herren Faymann, Hahn und Darabos – abgeben.

Merkel schickt uns dafür beispielsweise den gebrauchten Horst Seehofer von der CSU als Familienminister über den Walserberg. Für Österreichs PRÜ reichen derartige Auslaufmodelle ja völlig.
Ah ja: Die In-Dienst-Stellung des abgeschlankten Politfighter-Geschwaders durch den Herrn Bundespräsidenten erfolgt diesmal per Fern-Angelobung aus Mazedonien.

 
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. . . Molterer wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten.

 
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Dass ich mich jetzt so direkt an euch, lieber Al, liebe Madonna, wende, ist erstens tiefer Verwirrung geschuldet. Eine Verwirrung, die ich gerade mit einem Jungvaterkollegen am Kaffeehaustisch teile. Wir befürchten nämlich, dass der ökologische Fingerabdruck des Großen Braunen und des Cola Light, die wir uns gerade reinziehen, als Faustschlag im Gesicht unserer Kinder landen könnte. Zweitens maile ich (Briefpapier ist altmodisch und bedeutet weiters: Mord am Holz), weil aus so einer Nachdenklichkeit freilich schlechtes Gewissen wächst. Immer noch haben wir nicht gelobt.

 
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Exakt ein halbes Jahr ist es her, dass die „Salzburger Nachrichten“ beim damals funkelnagelneuen, noch nicht den geringsten Kratzer aufweisenden Verteidigungsminister Norbert Darabos um ein Interview zu Heeresfragen eingekommen sind. Leider kam es dann nie dazu und auch gestern wurde nichts daraus, da sich der Minister auf der Flucht vor dem Eurofighter im Ausland befand. Also wieder kein Interview. Da dachten wir uns: Basteln wir doch selbst eines!
Selbstredend (oder eben nicht selbstredend) verwenden wir als Antworten nur Originalzitate des Herrn Ministers.

Wie haben Sie im  Jänner davon erfahren, dass sie  zum Verteidigungsminister verurteilt, äh, ernannt werden?
Darabos: „Der Bundeskanzler hat gesagt, ich habe das große Los gezogen.“
Aha, und wie hätte das kleine Los ausgesehen?
Darabos: „Dafür fehlt mir eigentlich die Fantasie.“
Was ist der größte Unterschied zu ihrem früheren Job als SPÖ-Wahlkampfleiter?
Darabos: „Ich bin jetzt Minister, ich muss mich an die Gesetze halten.“
Wie beurteilen Sie im Rückblick den Anti-Eurofighter-Wahlkampf der SPÖ?
Darabos: „Sicherheitspolitik eignet sich nicht für parteipolitische Kleingeldwechslerei.“

Hätten Sie als ehemaliger Zivildiener ein Gewissensproblem, im Notfall einen Schießbefehl zu erteilen?
Darabos: „Ich  muss ja nicht schießen.“
Wie stehen Sie eigentlich heute zum Eurofighter?
Darabos: „Es ist beeindruckend, was er kann. Aber er kann einfach zu viel.“
Wo wird der Eurofighter-Übungsbetrieb stattfinden?
Darabos: „Mir ist es egal, ob der Flugkörper in Österreich oder Deutschland fliegt.“
Wann kommen die restlichen 14 Eurofighter?
Darabos: „Mit einem Bundeskanzler  Gusenbauer wird es keine Eurofighter geben.“

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu ihrem Vorgänger Günther Platter?
Darabos: „Es ist beeindruckend, was er kann. Aber er kann einfach zu viel.“
Und wie ist Ihr Verhältnis zu ihrem Parteichef Gusenbauer?
Darabos: „Ich muss ja nicht schießen.“
Wie empfanden Sie ihre bisherige Amtszeit?
Darabos: „Ich habe hundert Mal die Bundeshymne gehört.“
Und was würden Sie zu einer zweiten Amtszeit als Verteidigungsminister sagen?
Darabos: „Das muss kein Volksfest werden.“

 
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Raten Sie einmal, von wem folgender Satz ist: „Anscheinend beabsichtigt die Regierung, nun auch die letzten Restaktivitäten einzustellen und anstatt Sachpolitik zu betreiben, sich ausschließlich auf Regierungspropaganda zu konzentrieren.“ – Hm, wer könnte das gesagt haben? Peter Westenthaler? Leider falsch. Der Satz stammt von SPÖ-Klubchef Josef Cap aus dem Vorjahr.
Und von wem ist der Satz: „Offenbar will die Regierung der Faulpelze, nachdem sie bis jetzt außer Postenschacher  und Belastungen nichts geleistet hat, jetzt drei Monate auf Ferien gehen.“ – Na ja, wie gesagt: Josef Cap aus dem Vorjahr. Leider wieder falsch. Er ist von BZÖ-Klubchef Peter Westenthaler aus der vorigen Woche.

Nächste Rate-Runde: „Der Totalausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag ist Priorität Nummer eins. Wer etwas anderes sagt, der lügt.“ Wer hat das gesagt? Peter Pilz! Nein, knapp daneben. Das war Norbert Darabos vor acht Wochen.
Und von wem ist dieser Satz:  „Ein Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag wäre nur unter ganz hohem Risiko möglich.“ Sie tippen auf Wolfgang Schüssel? Wirklich haarscharf daneben. Es war  Norbert Darabos, diesmal vor zwei Wochen.

Aber Sie bekommen noch einen letzten Versuch: Wer drängt auf lückenlose Offenlegung des Eurofighter-Vertrags? Ha, werden Sie jetzt gewitzt sagen, das kommt doch ganz auf den Zeitpunkt an. Wie recht Sie haben! So lange sie in Opposition war, rief die SPÖ nach voller Eurofighter-Transparenz und die ÖVP verweigerte sie aus Gründen der militärischen Geheimhaltung.
Seit Norbert Darabos einen neuen Eurofighter-Vertrag ausgehandelt hat,  ruft jetzt die ÖVP mit heiligem Eifer nach dessen Offenlegung und die SPÖ verweigert sie. Aus Gründen der Geheimhaltung.

Wir lernen: Der Standort bestimmt den politischen  Standpunkt. Und damit wissen wir auch schon  genau, wie die Reaktionen auf die heute beginnende Regierungsklausur ausfallen werden.
„Dauerstreit, Dauerzank, Stillstand und Show: eine Fehlstartklausur!“ Von wem ist das? Das war Peter Westenthalers Reaktion auf die SPÖ-Regierungsklausur im Februar.
Er könnte diesmal natürlich auch folgenden Textbaustein verwenden: „Das Chaos und die Inkompetenz der Regierung ist an der Zahl ihrer Krisengipfel und Klausuren ablesbar.“  Das sagte 2005 die damalige SPÖ-Geschäftsführerin und heutige Ministerin und Klausurteilnehmerin Doris Bures.

 
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Tun wir, was die Dasigen immer gern tun, egal wo sie da(heim) sind. Schauen wir uns also die Provinz in ein paar Stufen einfach Mal an, als wäre sie der Mittelpunkt der Welt.E ine Auswahl: Wolfgang Amadeus Mozart (mit Familie), Paracelsus, Paris Lodron, Wolf Dietrich, Salome Alt, Christian Doppler, Stefan Zweig, Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal, Peter Handke, die Trapp-Familie, Marie Colbin, Wolf Haas. Jetzt aber schnell Luftholen... und weiter geht's:

 
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My name is Gusenbauer, Alfred Gusenbauer!“  Dieser Satz  ist alles, was von   Salzburgs Olympiabewerbung  bleiben wird. B wie Bond hat   die Deutsche Presseagentur  so beeindruckt,  dass sie Donnerstag um 00.14  Uhr aus Guatemala von einem  „Alfred Busenbauer“ berichtete. Und sogar HC Strache ist   erstmals etwas eingefallen:   „Gusenbauer hat  wie James Bond einen Vorgesetzten  namens M.  –  Molterer.“

 
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Sotschi, oder wie das  heißt, hat keine Pferdeschwemmen, kein Glockenspiel und keinen bremsspurabweisenden Straßenbelag in der Hofstallgasse. Trotzdem hat Sotschi und nicht Salzburg den Zuschlag der Olympier erhalten.
Die Gastronomie von Sotschi hat keine original erdgasgefüllten Putinkugeln anzubieten, keine Oligarchenplatte für zwei Personen und  keine Sotschier Nockerl. Und auch was den Sport betrifft, ist bei den Russen gegen unsere Marlies Raketen-Schild kein Kraut gewachsen.
Und trotzdem! Trotzdem ist die guatemaltekische Sonne für sie  aufgegangen und nicht für uns. Aber was ist es? Was hat Sotschi, was wir nicht haben?

Es ist, daran besteht leider kein Zweifel, das Wetter. Die betagten Herren des Olympischen Komitees haben es einfach satt, sich bei  den Olympischen Winterspielen immer Zehen und Ohren abzufrieren. Und in dieser Beziehung, das muss man in dieser schmerzhaften Deutlichkeit sagen, hatte Sotschi einfach meilenweit die Quecksilbersäule vorn.
Wie wir einem aktuellen Fremdenverkehrsprospekt entnehmen, hat Sotschi subtropisches Reizklima, 150 Kilometer Palmenstrand, eine mittlere Temperatur von 26 bis 28 Grad  und selbst im Jänner ein Temperaturmittel von plus  sechs Grad. Und was hat Salzburg? Schweigen wir darüber.

Bei der abschließenden Präsentation versuchte Heinz Schaden gegen die Sotschier Schwarzmeerküste noch tollkühn das „Lepi“ ins Treffen zu führen, doch da war es längst zu spät. Die ständigen Bilder der Salzburger Pulverschneehänge saßen dem IOC in den Knochen wie das Zipperlein.
Sommer, Sonne, Sandburgen – so sehen die modernen Olympischen Winterspiele von morgen aus! Aber keine Bange, Salzburger, die Bundesregierung hat alles im Griff: Dank ihrer immermüden Klimaschutzpolitik ist für Besserung gesorgt. Sie wird für eine Klimaerwärmung sorgen – Hut und Polkappe ab! In spätestens 200 Jahren steht Sotschi das Wasser bis zum Hals und in Morzg blühen die Palmen.
Selbst im Lungau, so haben Modellrechnungen der Klimatologen ergeben, wird die Temperatur dann an manchen Tagen des Jahres über die Null-Grad-Grenze steigen.

Dann, so meinen wir, werden uns die Olympischen Winterspiele – sagen wir: 2212 oder 2216 – ganz  von selbst in den Schoß fallen. Also, Herr Bundeskanzler: Und die nächste Olympiabewerbung dann bitte in Hirschhorn-geknöpfelten Trachtenbadehosen, gell?


 
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Guatemala gut!

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Schon auffällig. Kaum ist Alfred Gusenbauer in Guatemala City, rennt das Koalitionswerkel daheim wie geschmiert: Einigung auf das Abwürgen der U-Ausschüsse, Einigung auf eine neue Agrarmarktordnung, Einigung auf ein neues Beamtendienstrecht, Einigung auf die Nichteinigung bei den Ortstafeln. - Na bitte, es geht ja. Mehr Mut zu Auslandsreisen, Herr Bundeskanzler!

 
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Ein beachtenswerter Vorschlag zur Hebung der politischen Kultur kam vergangene Woche von – nicht lachen! – Heinz-Christian Strache. Und zwar schlug der FPÖ-Obmann aus gegebenem Anlass vor, dass Politiker für den Bruch von Wahlversprechen  mit strengen Sanktionen wie etwa Geldstrafen belegt werden sollten.
Eine bedenkenswerte Idee, auch wenn Strache sich damit als wahrer Ewiggestriger outet. Denn Sanktionen für gebrochene Wahlversprechen gab es schon vor 2500 Jahren im alten Athen.  Diese klassische Demokratie litt fürchterlich unter dem Populismus, so dass schließlich der Straftatbestand des „Volksbetrugs“ eingeführt wurde: Wer der Volksversammlung auf der Agora Versprechen machte, ohne sie dann auch  zu halten, der wurde mit enormen Geldbußen, Verbannung oder gar dem Tod bestraft.

Jetzt wissen wir also, wo Strache seine Idee herhatte. Bleibt nur zu hoffen, dass er in der griechischen Geschichte nicht weiterblättert, sonst könnte er noch auf ganz andere Ideen kommen.
Zum Beispiel Kindererziehung  à la Sparta: Im Alter von sieben Jahren wurden die kleinen Spartaner-Buben ihren Eltern weggenommen und fortan alle gemeinsam (finnisch-spartanische Gesamtschule) zu Kriegern erzogen. Schlusspunkt dieser Ausbildung war es, Jagd auf  die Heloten, die  fremdländischen Sklaven in Sparta, zu machen. Danach sagten die Knaben, das sei nur ein harmloses Paintballspiel gewesen, und waren erwachsen.
Was Strache in der griechischen Geschichte noch interessieren könnte, wäre vermutlich die Einrichtung der Xenelasie. Das war im alten Sparta die regelmäßige Vertreibung aller Fremden, welche angeblich unter dem klassischen altgriechischen Schlachtruf „Dahamos statt Islamos“ erfolgte.

Im demokratischen Athen machte man das auch, allerdings wesentlich gesitteter: Dort brachte der große Staatsmann Perikles in der Volksversammlung  451 v. Chr.  ein Gesetz durch, wonach nur derjenige das athenische Bürgerrecht genießen sollte, der zwei athenische Bürger zu Eltern hatte. Zuwanderer waren somit vom Bürgerrecht ausgeschlossen.
  Das Gesetz galt auch rückwirkend, so dass ein Athener, dessen Mutter und/oder Vater kein athenischer Bürger war, der also nicht den kleinen Athener-Nachweis erbringen konnte, als Erschleicher des Bürgerrechts galt und in die Sklaverei verkauft werden konnte.
Hm, jetzt wollen wir aber wirklich beten, dass der Strachos das nicht gelesen hat.

 
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