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Hände weg! ist ein Grundprinzip in L.A.s Schulwesen

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Wie in Los Angeles' Schulen dem Ausbruch von Gewalt schon in den kleinsten Ansätzen  vorgebeugt, ob dies ein Vorbild sei und wohin das alles möglicherweise noch führen könnte.
Don't be alarmed! Hier spricht der Schuldirektor von Warner Elementary. Es geht um ihren Sohn David. . ." Ein Gefühl der Panik stieg in mir auf. Warum würde mich der Direktor einer Schule, die von über 500 Kindern besucht wird, um 10 Uhr vormittags am Handy anrufen? David war damals gerade fünf und hatte wenige Tage zuvor mit dem in den USA gesetzlich vorgeschriebenen Vorschuljahr begonnen. Vor meinem geistigen Auge spielten sich bereits diverse Schreckensszenarien ab. War David etwa von der Kletterburg gefallen? Oder in ein Auto gelaufen?
Ich war schließlich erleichtert über die Banalität des Vorfalls: Ein Junge war die Rutsche raufgeklettert während David versuchte runter zu rutschen. Der Junge beschimpfte David als „Dummkopf" und David reagierte mit einem Boxer. Es gab keinerlei Spuren, kein blaues Auge, kein Kratzer. Dafür aber einen kleinen Skandal.
Als ich zwei Stunden später im „principal's office" auftauchte, hörte ich wie immer noch über „den Zwischenfall" gesprochen wurde. Die Lehrerin meines Sohnes versuchte, David zu verteidigen. Er hätte gerade eine kleine Schwester bekommen und das sei bekanntlich nie leicht. „Na und? Ich hatte auch jüngere Geschwister!" rief die Assistentin des Direktors aus, „Deswegen bin ich auch nicht herumgerannt und habe anderen eine reingehauen!"
Ich betrat den Raum, stellte mich vor und entschuldigte mich für Davids Verhalten. „Aber ist es nicht normal, dass fünfjährige Jungs ein bisschen raufen", fügte ich vorsichtig hinzu. Schließlich war David provoziert worden und sein Schlag hatte zum Glück keine Folgen.
Der Direktor starrte mich an. „Nicht bei uns! Hier gibt es sowas nicht!" Die Assistentin fragte mich, ob es bei uns zu Hause zu Gewalt käme. Die Situation fühlte sich absurd und kafkaesk an. Ich reagierte einigermaßen irritiert und der Direktor entschuldigte sich schließlich bei mir für die ungerechtfertigten Unterstellungen seiner Assistentin.
Der „Zwischenfall" ist nun fast vier Jahre her. David und seine Freunde wagen es nicht, sich gegenseitig zu schubsen - und das hat seinen Grund: Die Schule hat eine strikte „No-touching" policy. Schüler dürfen sich weder berühren, noch umarmen, geschweige denn herumbalgen. Selbst Hände halten ist verboten. Ansonsten geht es straight zum principal's office. Und es kann dazu führen, dass man von der Schule fliegt.
David und sein achtjähriger  Freund Paris - dessen deutsche Eltern ebenfalls in L. A. leben, haben das „keep your hands to your body" Gesetz mittlerweile so verinnerlicht, dass sie diesen Sommer in München einen schweren Kulturschock erlitten. Dort wurde im Sommercamp geschubst und gebalgt. Und die beiden reagierten darauf verloren und wehrlos und wurden bald zum beliebten Ziel der Attacken.
Kann man nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, den Kindern hier das miteinander sprechen zu verbieten.

2 Kommentare | Kommentieren

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    Liebe Frau Pilz!
    Die bestehenden Schulgesetze in L.A. sind lediglich darauf ausgerichtet den oft vielen Beschwerden von Eltern als auch manchmal rechtlichen Anklagen entgegen zutreten,sie helfen auch Exzesse zu vermindern. Eingehalten werden sie meistens sowieso nicht.
    Auch europaeische Schulen haben bereits aehnliche Bestimmungen, die wahrscheinlich auch nicht eingehalten werden. Dass Ihr Bub spaeter dann einen" Kulturschock" erlitten hat obwohl er in LA laut Ihres Berichtes der Angreifer war tut mir leid. Aber auch Kinder sollten lernen dass man Worte nicht mit rauher koerperlicher Gewalt beantworten soll.
    g gromer



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    Wenn Kinder und junge Menschen nicht rechtzeitig lernen, des öfteren – jedoch immer mit äußerster Fairness und stets innerhalb festgelegter Regeln – ihre Kräfte zu messen, wenn sie niemals – auch hier ist absolute Fairness Vorbedingung – ausmachen dürfen, wer der Stärkere bzw. der Geschicktere ist ... wie sollen sie sich dann später als Erwachsene jemals im "permanenten Wettstreit Leben" erfolgreich durchsetzen? Wie können sie in diesem Fall jemals zu engagierten Erwachsenen heranwachsen, die beherzt eingreifen, wenn zum Beispiel gegen Schwächere auf unfaire Art und Weise physisch vorgegangen wird – wenn sie von klein auf von allem "Körperlichen" so lebensfern "künstlich" abgehalten werden?
    Im "Lebenskampf" herrscht doch eine permanente Konkurrenz, sowohl physischer wie auch psychischer Art. Wie sollen denn die jungen Leute verstehen lernen, dass psychische Probleme keinesfalls mit physischer Gewalt gelöst werden können und dürfen? Wenn man nämlich die ansteigenden Kriminalraten (sowohl in Übersee als auch in unserer europäischen Gesellschaft) ansieht, kann man zu der Überzeugung kommen, dass die Erziehung der jungen Leute in dieser Richtung völlig "in die Hosen" gegangen ist.
    In meiner Jugendzeit (so um die fünfziger/sechziger Jahre) war es in unseren Kreisen absolut tabu, jemandem mit der Faust ins Gesicht und auf die Weichteile des Körpers zu schlagen – das hatte uns zwar keiner verboten, aber wir wussten einfach, dass das erhebliche Schmerzen oder bleibende Schäden (z. B. Zahnverlust) zur Folge haben konnte. Also rangen wir, bis beide Kontrahenten am Boden lagen und der Stärkere einen Griff anbringen konnte, der den anderen zum Aufgeben zwang (meine Spezialität war die "Bauchschere", bei der ich meinem Gegner meine Beine um den Körper legte, dahinter die Füße überkreuzte und zudrückte, bis der andere nach Luft japste – wenn dann das "Ich geb’ auf!" ertönte, war es ungeschriebenes Gesetz, sofort loszulassen. Es soll mir darum bitte kein neunmalkluger Psychologe weismachen, dass solche fairen "Körperkontakte" unserer Psyche geschadet hätten – ganz im Gegenteil!

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