September 2010 Archive
Komplett erblondet trifft Schauspielerin Elfi Eschke am Freitagabend im Cineplexx City ein. Dass sie jetzt Blond trägt, liegt weder an ihrem neuesten Film (da greift sie zu Perücken) noch an ihrem Mann Reinhard Schwabenitzky. „Ich rede ihr nicht drein, mir gefällt sie immer", sagt er diplomatisch.
Lebt man in einer dicht besiedelten Stadt wie New York, träumt man vielleicht von Palmen vor der Haustüre. Los Angelinos hingegen fantasieren von einem urbanen Loft, mit Blick auf die Ziegelmauer des gegenüberliegenden Highrisers.
Doch anders als z. B. San Francisco besitzt L. A. keinen natürlich gewachsenen, urbanen Stadtkern. Auch wenn die Skyline von Downtown ein lebendiges Nachtleben suggeriert, handelt es sich hier mehr um ein Geschäftszentrum, das bis vor wenigen Jahren nach Sonnenuntergang komplett leergefegt war bzw. wo bis heute an berühmt-berüchtigten Straßenzügen wie Skid Row rund 13.000 Obdachlose und Drogensüchtige ihre Zelte aufgeschlagen haben.
Als ich 1994 nach L. A. kam, glich Downtown bei Nacht einem Movie-Set für Horrorfilme. Ausgestorben und gruselig. Viele meiner - seit Jahren in L. A. beheimateten Bekannten - hatten sich noch nie bei Dunkelheit in die innere City gewagt. „In Downtown kann man Drogen kaufen, aber einen Liter Milch aufzutreiben, ist schwierig", wurde ich als Newcomer belehrt.
Doch in den letzten Jahren zogen Middle-class-Familien und „young professionals" in L. A. plötzlich scharenweise in die neu entstandenen Lofts im Stadtkern.
Von heute auf morgen war Downtown hipper als Venice Beach. Fabrikshallen, Wolkenkratzer und riesige Parkplätze repräsentierten für viele ein besseres Lebensgefühl als Eigenheim, Palmen und Meer.
Im Internetblog „Dirty in Downtown" begründet der Autor seine Entscheidung, die Strände gegen Asphalt zu tauschen: „Wir Downtown. Bewohner sind hierher gezogen, weil der Rest von L. A. depremierend ist mit seinen Strip-Malls . . . Neon . . . und Hunderten Billboards (große aufwendige Plakat- und Projektionsflächen). Unsere Herzen gehören architektonisch schönen Ostküstenstädten wie Chicago. Wir wollten in einer ECHTEN City leben. Das ist sonst nirgendwo in L. A. möglich." Dass es nun möglich ist, sich als wohlhabender Weißer in Downtown niederzulassen, ohne sofort ausgeraubt zu werden, ist relativ neu.
„Fährt die Stadt der Engel zur Hölle?" titelte 1993 das „Time"-Magazin, nachdem L. A. durch gewaltige Rassenunruhen und ein größeres Erdbeben viel an Glamour eingebüßt hatte und weiße Los Angelinos die innere City mieden wie nie zuvor. Vielleicht aus dieser Krise heraus begann Los Angeles sich neu zu erfinden.
Philantrop und Multimilliardär Eli Broad erkannte als einer der Ersten das Potenzial Downtowns. Dank seiner Vision wurden Lofts revitalisiert und architektonisch ambitionierte Bauvorhaben, wie das Museum für Contemporary Art, die Walt Disney Concert Hall sowie das Staple Center, realisiert. Schicke Clubs, Coffee Shops und Restaurants folgten. Und Downtown wurde zum begehrten Wohngebiet und Kulturtreffpunkt Nummer eins.
Fans des neuen, urbanen Lifestyles jubeln, dass L. A. nun endlich mit New York zu vergleichen sei. Kritiker hingegen warnen, dass die Spannung zwischen Arm und Reich zu neuen Unruhen führen könnte.
Unzählige Obdachlose leben
quasi zu Füßen der bis zu über zwei Millionen Dollar teuren Luxus-Lofts. Die aufpolierten Gebäude müssen extrem stark bewacht werden. Und das fördert nicht gerade Nachbarschaftsliebe und Community.
Der Abend beginnt harmlos. Bunte Karten, sogenannte Beziehungsbotschaften, werden durch die Runde gegeben. „Bitte können wir heute einmal nicht fernsehen?", liest man auf der grünen Karte. Gelächter. Eine Teilnehmerin greift zum Prosecco. Auch ohne wäre das Thema Lust prickelnd genug. 20 Damen sitzen Freitagabend an einem großen Tisch und warten gespannt auf das, was jetzt kommt. Die Umgebung ist für die meisten nicht alltäglich: die Erotikboutique „Atemlos" im Salzburger Sternbräugarten. Birgit stand schon einmal vor der Boutique, drehte dann aber um. „Die Neugierde hat mich schließlich mit Freundinnen hierher verschlagen", erzählt sie. Bei den meisten der Teilnehmerinnen war es so.



