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Emese Hunyady: Eine Goldmedaille öffnet keine Türen

Von Gerhard Öhlinger | 14. Mär 2011 um 07:54 in Aktuell | Kommentare (4)

Emese Hunyady: Eine Goldmedaille öffnet keine Türen

© SN/

Österreichs Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Emese Hunyady ist hoch qualifiziert, aber seit Jahren arbeitslos.
„Servus!", „Hello!", „Nice to see you again!" Ein Bussi hier, eine herzliche Umarmung dort - Emese Hunyady hatte dieser Tage bei der Eisschnelllauf-WM in Inzell Mühe, überhaupt bis in die Halle zu kommen. An jeder Ecke wurde die Olympiasiegerin von 1994 erkannt und begrüßt. Im Vergleich mit diesem Trubel hat die seit wenigen Tagen 45 Jahre alte Sportheldin daheim in Österreich ein geruhsames Dasein. Zu ruhig. Denn: „Ich suche einen Job, und das schon seit Jahren". Fast genau vier Jahre ist es her, dass sie in den SN bereits einmal über ihre Arbeitslosigkeit sprach.

 Kaum zu glauben, aber die Qualitäten der vielsprachigen und kommunikativen Sympathieträgerin scheinen nicht gefragt zu sein in dem Land, das ihr einst begeistert zujubelte. 1998 trug sie in Nagano stolz die rot-weiß-rote Fahne an der Spitze der Olympiamannschaft ins Stadion. Insgesamt sechs Mal war sie bei olympischen Winterspielen dabei, das erste Mal 1984 noch für Ungarn.

 An Qualifikationen mangelt es nicht: Vor Kurzem hat Hunyady an der Sportuniversität in Budapest ihr Studium in Rekreations-Management abgeschlossen und wäre damit topqualifiziert für einen Job im Freizeit- und Event-Business. „Ich bin voller Tatendrang, am liebsten würde ich etwas mit jungen Leuten machen", sagt Hunyady, während ihr Blick hinunter zur Eisschnelllaufbahn schweift. „In meiner sportlichen Karriere war mein Plus immer, dass ich alles andere zurückgestellt und die Entbehrungen auf mich genommen habe." Andere hätten mehr Umfang trainiert, aber mit weniger Effizienz als Hunyady. Der Lohn waren Gold, Silber (1994) und Bronze (1992) bei Olympia, Weltmeistertitel und Weltcupsieg (1994).

„Sport ist für mich immer an erster Stelle gestanden, 25 Jahre habe ich aus dem Koffer gelebt", erinnert sich die Ex-Sportlerin. „Wenn mich jemand gefragt hat, wo ich daheim bin, habe ich gesagt: ,Meine Waschmaschine steht in Baden bei Wien.'" Dort schleudert mittlerweile auch die Wäsche von Hunyadys finnischem Ehemann Timo Järvinen und ihres gemeinsamen sechsjährigen Sohnes Jasper („der wächst fünfsprachig auf"). An der Seite des redseligen Energiebündels Emese kommt der ruhige Timo kaum zu Wort. Schweigsam verfolgt er in Inzell das Geschehen auf der Eisbahn. Zwölf Jahre lang trainierte er die finnischen Eisschnellläufer, dann zog er mit Emese nach Österreich. Ein Engagement beim ungarischen Verband endete bereits nach drei Monaten. Kurzum: Im Hause Hunyady-Järvinen wäre man froh, wenn in absehbarer Zeit zumindest einer Geld nach Hause bringen könnte.

Ihre zahlreichen sportlichen Kontakte konnte Emese Hunyady immerhin bei ihrer Diplomarbeit an der Universität einbringen, erweitert um ihre eigenen leidvollen Erfahrungen. Der Titel: „Olympiasieger im Zivilleben".
 
 
Kommentare (4)
 
  • Stefan G

    14. Mär 2011
    14:14 Uhr

    *räusper* nur mal so eine Frage: hat sie schon mal eine Bewerbung abgeschickt oder wird sich erwartet, dass Einladungen verschickt werden?

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  • Userbild

    Gerhard Öhlinger

    14. Mär 2011
    15:17 Uhr

    @Stefan G: Bewerbungen hat sie zuhauf abgeschickt in den letzten Jahren. Einladungen sind selten, aber bestimmt willkommen...

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  • Standard-Benutzerbild

    Salzburger

    14. Mär 2011
    20:11 Uhr

    Zwei Tipps:

    1) Politische Seilschaften sind leider (!) unerlässlich.
    2) Keine Orchideenstudien bringen Kohle, sondern handfeste, z. B. Lehramt, Krankenpflege, Altenpflege, ...

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  • Standard-Benutzerbild

    bambam

    15. Mär 2011
    08:28 Uhr

    Eine Schande! Als ob es der österreichische (Eisschnellauf)sport nicht nötig hätte eine erfolgreiche, sympathische und überaus erhgeizige ehemalige Spitzensportlerin unter Vertrag zu nehmen!!
    Bleibt nur die Hoffnung auf Einkehr rechtzeitiger Einsicht!!
    MFG

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