Kann bitte, im Gedenken an den Kinderbuchautor Maurice Sendak, irgendwer anderer allen Elternbeamten sagen, sie sollen sich nicht über jeden Krach aufregen?! Denn wenn ich das tun muss, wird's wieder laut und wild und beleidigend. Max war bald ein Held daheim - und ist's nun schon in zweiter Generation. Wie der Bub, gehüllt in einen Wolfspelz, frech allem trotzt! Und dann schickt ihn Mama in sein Zimmer. Ohne Essen! Da hört man schier die schmerzverzerrten Schreie der Überbeschützer und Vorsichtsschisser. Da plärren sie, die Kindsein-Theoretiker, die aus lauter Höflichkeitsrausch für die Kinder immer ein Zuckerl zur Beruhigung im Tascherl haben,
Der FC Chelsea besiegt mit einer brillanten Mauer des Starrsinns den FC Barcelona, Symbol der luftigen Utopie des Siegens durch Eleganz: Ein Fußballspiel als Weltkarte eines kulturellen Dauerkampfes.
Wir kriechen heute unterm Berg aus Vinylplatten hervor und gehen in den Plattenladen. Da wuchern Erinnerungen, auch wenn die Lolinger schaden könnten.
Eben zurück aus Grönlands Einschicht, wo der Frühling begann, fällt mir ein Konzertplakat von Hansi Hinterseer auf. Das kann kein schrecklicher Zufall sein. Da wird mancher stutzen: Grönland? Frühling? Hansi? Geht das zusammen? Einfach: Grönland gehört zu Dänemark, und in Dänemark war der ehemalige Skirennläufer Nummer eins der Charts, und kaum zurück aus Grönland, fahr ich am Plakat mit der Konzertankündigung für den HaHi-Auftritt vorbei und rundum werde ich mit Berichten bombardiert. Da lassen sich irre Gedanken nicht vermeiden.
Auf einem Flugplatz in Ostgrönland zeigt sich, dass die angebliche Zivilisation vieles beherrscht, nur nicht in Ungewissheit leben kann.Die Ungeduldigen stellen ihr Gepäck zum dritten Mal in der letzten Viertelstunde auf einen anderen Platz im Warteraum. Grund dafür gibt es keinen. Ist eben sonst nichts zu tun. Die aktuelle Nachricht auf dem Heliport von Tasiilaq ist, dass es derzeit keine neuen Nachrichten aus Kulusuk gibt. Es geht um den Flug, der von Grönland nach Island gehen soll.
Da habe sie's nicht mehr geschafft, sagt sie. Da ist sich's nicht mehr ausgegangen. Obwohl sie eh gerannt ist, weil sie schon dachte, dass wir es sein könnten. Aber ihr wisst eh, sagt sie: Im Garten draußen höre ich das Telefon halt kaum und wer mich erwischen will, der probiert's eh noch einmal.
Es ist ihr egal, wer erledigt, was sie will, also ruft sie beide: Mama und Papa. Und weil's mit zwei Worten zu lang dauern tät, sagte sie: Mampa. Mit diesem Wort vernichtet Lolinger seit Kleinkindtagen die elterliche Geschlechtszuteilung.
Wie ein Depp ohne Worte stehe ich da, weil Lolinger im Bus eine Wurstsemmel mampft und dabei unschuldig und nebenbei den Sprachverlust der Welt analysiert.
Der Globus leuchtet. Neuerdings ersetzt er das Nachtkastl-Einschlaflicht in Lolingers Zimmer. Es ist ein sanftes Licht, das da aus dem Inneren der Welt nach außen leuchtet, hellbläuliche Leichtigkeit erleichtert die Zimmerfinsternis. Wir schieben die Finger über Meere und Kontinente.
Salzburger Brauchtumsvereinen wird braunes Gedankengut vorgeworfen. Das ist böse. Weit beängstigender ist, in welcher Tradition darauf regiert wird.
Immer wird von Gewalt geredet, der Brutalität der Bilder. Wirklich böse aber ist vielmehr, dass Verharmlosung und Verniedlichung zu bedeutenden Kulturtechniken geworden sind. Siehe: Tierfilme.
Früher kam einer ums Eck und man freute sich, weil man ihn lange nicht mehr gesehen hatte. Heute kommt eine Freundschaftsanfrage, die Facebook uns hätzbar wertvoll macht.
Wortwahl, das ist das Kitzbühel der gelebten Demokratie, die Abfahrt der Kommunikation, sprich: Königsdisziplin oder Hitparadenspitze (was mir in dieser Kombination einfällt, weil eben im deutschen Fernsehen eine Vorschau auf das Hahnenkammrennen mit dem Goiserer-Hit „Brenna tuats guat" untermalt wird).
Was die Kinder nicht alles lernen sollen! Reitstunden für die Tochter. Karate für den Buben. Ein bisserl Englisch mit dem Native Speaker Au-pair. Oder Italienisch. Oder Russisch, weil die ja flugzeugweise ins Tourismusland geliefert werden. Oder Chinesisch, weil die drängen überall mächtig nach vorn, und die sind auch so viele. Kletterstunden. Ballett. Yoga. Geige. Flöte oder Klavier. Skifahren ist da noch das geringste Problem. Da fetzen die beiden Erstklasslerfreundinnen eh schon dahin, dass man ihnen nicht mehr nachkommt. Wie sich - umgeben von ungewisser Zukunft und allen möglichen Aussichten - überhaupt und immer öfter so ein Elternzustand des Nicht-mehr-Nachkommens einstellt.


